Juliane

Juliane Maibach wurde 1983 geboren und lebt zusammen mit ihrem Mann in der Nähe von Freiburg im Schwarzwald. Sie schreibt seit ihrer Kindheit,- zunächst Kurzgeschichten und Gedichte; später dann auch erste längere Geschichten und ganze Bücher, in denen sie ihre eigenen fantasievollen Welten erschaffen konnte. Inzwischen schreibt sie vor allem im Romantic-Fantasy Genre. Nach einem Germanistik Studium arbeitete sie als Verwaltungsfachangestellte. Mittlerweile konnte sie sich jedoch ihren großen Traum erfüllen und ist ausschließlich als Autorin tätig. Mit ihren ersten beiden Roman-Reihen Necare und Midnight Eyes, konnte sie eine Vielzahl an Lesern begeistern und in ihren Bann ziehen.

Schicksalsgöttinnen: Band 2 erhältlich

Heute ist es soweit! Der zweite Band der Schicksalsreihe – Schicksalsgöttinnen ist ab sofort auf Amazon als Ebook, Taschenbuch und bei Kindle Unlimited verfügbar. Ich freue mich riesig auf eure Rückmeldungen, Posts und Nachrichten. Wie immer wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr euch kurz für eine Rezension auf Amazon Zeit nehmen würdet. Und nun wünsche ich euch viele spannende, gefühlvolle und mitreißende Lesestunden mit Schicksalsgöttinnen.

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Leseprobe 3

Morgen ist es soweit: Die Veröffentlichung von Schicksalsgöttinnen. Ich weiß, dass viele von euch bereits sehnsüchtig dem Termin entgegen fiebern und mir geht es nicht anders. Es ist immer wahnsinnig aufregend, ein neues Buch rauszubringen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig und kann es kaum mehr erwarten. :) Zur Einstimmung habe ich heute nochmal eine extra große Leseprobe. Ich wünsche euch viel Spaß.

Ich biege in den Flur ab, der zur Linken nach draußen führt und zur Rechten in den Internatsbereich. Und genau dort nehme ich eine Bewegung wahr. Instinktiv ziehe ich mich ein Stück hinter der Wand zurück und luge um die Ecke.

Ayden tritt in den Flur. Er ist dunkel gekleidet, trägt einen langen, schwarzen Mantel, der ihn irgendwie bedrohlich erscheinen lässt. Snow folgt ihm auf dem Fuße, aber die beiden sind nicht alleine. Ein junger Mann, den ich auf Mitte zwanzig schätze, und eine Frau in ähnlichem Alter begleiten ihn. Auch sie führen ihre Schlüsselgeister mit sich: eine riesige, graue Schlange und einen Raben.

»Endlich mal wieder rauskommen und ein bisschen Action«, freut sich der junge Mann und zwinkert der großen Schlange neben sich zu. »Du freust dich auch schon, oder, Grey?« Die Schlange hebt den Kopf und gibt ein leises Zischen von sich. Der Kerl ist groß gewachsen und ziemlich durchtrainiert, was man besonders deutlich an seinen Armen erkennen kann, die in einer Weste stecken und unbekleidet sind. So hat man freien Blick auf die Muskeln, aber vor allem auch auf die zahlreichen Tattoos. Sein Haar ist kurz, blond und wirkt in dem fahlen Licht fast silbern. Er hat mehrere Piercings in den Ohren, ebenso welche in der Nase und Lippe.

»Mach einfach nur keine Spielchen und lass uns die Sache gut und schnell hinter uns bringen«, mischt sich die Frau ein, die einen äußerst ernsthaften Eindruck macht. Ihre dunklen Augen ruhen auf dem gepiercten Kerl und schenken ihm einen mahnenden Blick, doch den scheint das nur wenig zu interessieren.

»Sei nicht immer so ernst, Vicky. Ein bisschen Spaß muss doch sein, kommt ohnehin selten genug vor.«

»Ich warne dich«, zischt sie ihn an. »Wehe, du ziehst mich da in irgendeinen Mist rein.« Selbst mit dieser zornigen Miene muss ich ihr zugestehen, dass sie äußerst gut aussieht. Langes, leicht gewelltes Haar fällt ihr auf den Rücken, das aussieht, als wäre es gerade von einem Stylisten perfekt in Form gebracht worden. Ihre Figur ist wohl das, was dem gängigen Schönheitsideal in absoluter Perfektion entspricht. Lange Beine, die in einer eng anliegenden, schwarzen Hose stecken. Dazu eine wundervoll schmale Taille und ein flacher Bauch, wie man nur zu gut unter dem engen Shirt erkennen kann.

Der Rabe neben ihr krächzt laut auf, als wolle er den Typen mit den Tattoos ebenfalls zur Räson bringen, doch der winkt nur ab. »Lass gut sein, Raven. Nicht du auch noch. Ich habs schon verstanden.«

Raven. Ich verdrehe leicht die Augen. Da hat es sich aber jemand mit der Namensfindung leicht gemacht.

»Und willst du mir auch noch einen Vortrag halten, oder bist wenigstens du meiner Meinung?«, will der junge Mann von Ayden wissen, der bislang geschwiegen hat.

Er schenkt ihm nur einen kurzen Seitenblick und seufzt: »Was soll ich dazu bitte sagen? Du machst doch ohnehin nur das, was dir gerade in den Kopf kommt.«

Der Kerl nickt bekräftigend. »Und bislang bin ich damit ganz gut gefahren.«

»Oh Mann, Ty«, seufzt Vicky und schüttelt den Kopf. »Irgendwann wird dich diese Einstellung noch in echte Schwierigkeiten bringen.«

Der Angesprochene lacht nur und legt ihr den Arm um die Schultern. »Dafür habe ich ja euch an meiner Seite.«

Sie macht sich schnell von ihm los und schüttelt den Kopf. »Bilde dir mal besser nichts ein. Wir sind ganz bestimmt nicht deine Babysitter.«

Mit diesen Worten erreichen sie das Ende des Flurs und verlassen das Schulgebäude. Ich bleibe noch einen Moment mit donnerndem Herzen stehen und denke über das eben Gehörte nach. Wer waren die beiden und warum sind sie mit Ayden unterwegs? Und die drängendste Frage: Was haben sie vor?

Ich brauche nur wenige Augenblicke, dann habe ich mich entschieden und haste den dreien hinterher. Vor der Tür verschwinden ihre Schlüsselgeister. Snow und die Schlange schmiegen sich in die Schatten, während der Rabe sich einen Platz in einem nahen Baum sucht. Ich blicke mich nach Yoru um, weiß instinktiv sofort, wo ich ihn finde. Er sitzt unter einem Bulli und sieht mich aufmerksam an. Anscheinend spürt er, dass wir eine Aufgabe haben. Gemeinsam folgen wir den anderen. Es ist nicht ganz einfach, denn ich muss einen großen Abstand wahren, um sicherzugehen, nicht von ihnen entdeckt zu werden. Mehrere Male verliere ich sie fast aus den Augen, aber zum Glück schaffe ich es dann doch, sie wiederzufinden.

Die drei folgen zunächst der Hauptstraße, bevor sie einige Abzweigungen nehmen und in kleinen Seitenstraßen verschwinden. Mir begegnen immer weniger Menschen, sodass es für mich stetig schwieriger wird, ungesehen zu bleiben. Ich muss mich weiter zurückfallen lassen, hinter Häuserecken, Autos oder sogar Mülltonnen Schutz suchen. Yoru hilft mir dabei, immerhin ist er ein Meister im Verstecken und findet sofort gute Plätze.

Irgendwann kann ich sie nicht mehr sehen und zische wütend vor mich hin. Mit Yoru im Schlepptau gehe ich vorsichtig weiter und versuche, sie wiederzufinden. Aber da sind nur zwei leere Gassen und einige dunkle Hinterhöfe. Sofort kriecht mir eine kalte Gänsehaut den Rücken hinab. Seitdem ich weiß, dass sich an so einsam gelegenen Orten Noctu herumtreiben, versuche ich, dunkle Ecken zu meiden. Doch nun bin ich mitten drin. Am besten wäre es, ich würde sofort kehrtmachen und den Heimweg antreten, anstatt mich noch weiter von den belebten Straßen zu entfernen. Aber ich kann einfach nicht. Irgendetwas zieht mich voran: Ich bin zu neugierig. Ich will unbedingt herausfinden, was die drei vorhaben.

Und so setze ich meinen Weg fort und trete in einen verlassenen Hinterhof, wo sich schmutziges Wasser in dem aufgesprungenen Asphalt sammelt. Eine Feuerleiter hängt schief und rostig an dem Haus neben mir, Mülltonnen stehen herum und verbreiten ihren Gestank. Das ist das Einzige, das ich entdecken kann. Es ist niemand hier. Ich schaue zu Yoru, der plötzlich ganz aufgeregt wirkt, und in diesem Moment höre ich das Zischen von Zaubern. Ich drehe mich sofort um, aber da ist nichts. Gebrüll erklingt, weitere Kampfgeräusche, mein Herz donnert in meiner Brust. Der Lärm kommt ganz aus der Nähe. Ich eile zurück auf die Straße und muss nicht lange suchen, um den Ort zu entdecken. Nur zwei Häuser weiter ist noch ein Hinterhof, und von dort kommen die Lichter.

Ich schleiche mich zur Ecke und spähe hinein: Mehrere Noctu stehen in der Gasse und greifen Ayden, Ty und Vicky an. Im Gegensatz zu den Noctu, die ich bisher gesehen habe, ähneln diese nicht allesamt Tieren. Einige weisen menschliche Züge auf: verkrümmte Körper, kahle Schädel, aus denen schiefstehende, schwarze Augen herausstarren. Ihre Haut wirkt ledern, ihre Bewegungen sind abgehackt und dennoch ziemlich schnell.

Schwarze Zauber stoben umher, rasen wie eine undurchdringliche Wand auf die drei zu. Vickys schwarzer Rabe hat sich in einen riesigen Raubvogel verwandelt, dessen Schwingen von einem leuchtend blauen Schimmern umgeben sind. Er öffnet den Schnabel und eisblaue Wellen schießen daraus hervor, treffen zwei Noctu, die sofort von einem Eisblock umschlossen werden.

Ty lässt seine Schlange angreifen, die sich in den Asphalt gräbt, kurz darauf an anderer Stelle wieder hervorschießt und dabei riesige Steinbrocken aus dem Boden reißt. Gemeinsam zerschmettern sie die eingefrorenen Noctu, die in tausend Stücke zerspringen.

Aydens Wolf Snow hat sich ebenfalls verwandelt. Er ist von dunklem Rauch umhüllt, der Funken sprüht. Immer wieder züngeln kleine Flammen darin umher, die verraten, wie angespannt der Wolf ist. Seine roten Augen funkeln, als er eine Flammenkugel ausspeit und die vorderen Noctu von einer Wand aus Feuer erfasst werden. Einige von ihnen gehen zu Boden, andere versuchen, sich mit ihren Zaubern zu schützen, rufen eine schwarze Masse, die sich um sie legt und die Flammen ersticken.

Atemlos schaue ich dem Kampf zu und weiß nicht, was ich tun soll. Ein Teil von mir will ihnen helfen, ein anderer mahnt mich dringend, mich bedeckt zu halten und mich unter keinen Umständen zu zeigen.

Die Gruppe verändert langsam ihre Position und ich bemerke, dass ich in meinem Versteck nicht mehr allzu sicher bin. Also springe ich schnell hervor und schleiche zu einem großen Müllcontainer, hinter dem ich Schutz suche. Ich bin nun deutlich näher am Geschehen, aber wenigstens kann man mich hier nicht sehen.

Ayden rennt gemeinsam mit Snow auf zwei Noctu zu. Er ballt die Faust und Flammen züngeln zwischen seinen Fingern hervor. Während Snow einigen Attacken der Noctu ausweicht, läuft Ayden unbeirrt weiter zu seinem Gegner. Dieser hebt den Arm, der sich zu einer dunklen Rauchsäule verlängert und auf Ayden zuschießt, doch er taucht darunter hinweg, steht sogleich wieder auf den Beinen und rammt dem Noctu die brennende Faust in den Bauch. Als er die Hand zurückzieht, ist ein klaffendes Loch zu sehen, in dessen Mitte Flammen lodern, die sich immer weiter ausbreiten. Der Noctu öffnet den Mund zum Schrei und startet einen letzten verzweifelten Angriff. Aber Snow ist zur Stelle, wirft sich dazwischen und fängt die Attacke mit einem Feuerball ab. Der Noctu zerfließt langsam zu einer schwarzen, zähen Masse, die als dunkle Pfütze am Boden zurückbleibt.

Auch Ty und Vicky greifen erneut an, doch die restlichen Noctu setzen nun alles daran, ihre Feinde auszuschalten. Zauber schießen umher, krachen durch die Luft und lassen die Erde beben.

»Endlich kann man sich mal wieder richtig austoben«, freut sich Ty und reißt den Arm empor. Gleichzeitig erhebt sich eine riesige Erdsäule aus dem Boden und spießt einen Noctu auf. Der Anblick jagt mir einen Schauder über den Rücken und ich muss kurz die Augen schließen.

Als ich sie wieder öffne, rennt Ayden auf den nächsten Angreifer zu. Der wirft ihm eine dunkle, wabernde Kugel entgegen, die Ayden mit seiner Hand abfängt und beiseitestößt. Unkontrolliert rast sie durch die Luft – genau auf mich zu. Ich muss mich auf den Boden werfen und gebe einen entsetzten Schrei von mir. Das genügt bereits, um die Aufmerksamkeit aller auf mich zu ziehen. Die Noctu sehen in meine Richtung und beginnen zu knurren. Auch Ty, Ayden und Vicky entgeht meine Anwesenheit nicht.

»Oh, wen haben wir denn da?«, fragt Ty amüsiert. »Publikum. Da macht so ein Kampf doch gleich noch mehr Spaß.«

»Du hast sie doch nicht mehr alle«, gibt Vicky zurück und tötet einen weiteren Noctu, indem ihr Rabe eine riesige Welle auf ihn niedergehen lässt, ihn von den Füßen reißt und ihn mit einem Regen aus Eiskristallen in Stücke zerfetzt.

Von Ayden erhalte ich nur einen seiner alles vernichtenden Blicke, der mehr sagt, als tausend Worte es könnten. Ich bin hier nicht erwünscht, störe und mache ihn mit meiner Anwesenheit gerade ziemlich wütend.

Er schaltet mit einem Feuerball den letzten Noctu aus, der ebenfalls zu einer schwarzen Masse zerläuft. Während sich alle Blicke auf mich richten, nehmen die Schlüsselgeister ihre gewohnten Formen wieder an. In den einzelnen Gesichtern spiegeln sich ganz deutlich die unterschiedlichsten Gefühle. Ayden ist weiterhin verdammt sauer, Vicky offenbar vor allem genervt und Ty – tja, der kommt mit strahlender Miene auf mich zu und mustert mich, als sei ich ein interessantes Tier.

»Hey, du hast also auch einen Schlüsselgeist«, stellt er mit einem Blick auf Yoru fest. »Dann gehörst du also zu uns. Gut, sonst hätte ich dich jetzt leider töten müssen.« Ich reiße überrascht die Augen auf, doch Ty lacht nur amüsiert. Er wischt mit der Hand durch die Luft und klopft sich auf die Schenkel. »Das war ein Scherz. Ich hab nur Spaß gemacht. Denkst du wirklich, wir würden Menschen umbringen?«

Er streckt mir die Hand entgegen, um mir aufzuhelfen, denn noch immer liege ich auf dem Boden. »Du bist sicher noch Schülerin, oder? Dann musst du auf die Siena Hartford gehen.«

Ich reiche ihm meine Hand und lasse mir aufhelfen. »Ähm, ja«, sage ich und kann nicht verhindern, dass meine Augen zu Ayden wandern. Meine Güte, er sieht aus, als würde er gleich explodieren.

»Was machst du hier?«, will er wissen. »Musst du ständig dort auftauchen, wo du nichts verloren hast?!«

»Ich habe euch zufällig gesehen, und ihr habt den Eindruck gemacht, als hättet ihr irgendetwas vor. Mit dieser Vermutung hatte ich offensichtlich recht.«

»Du steckst wohl gerne deine Nase in Dinge, die dich nichts angehen«, stellt Vicky fest und mustert mich mit verschränkten Armen.

»Also, ich finde sie ganz süß«, sagt Ty und schenkt mir wieder diesen Blick, als sei ich ein niedliches Haustier, von dem er noch nicht genau weiß, ob es draußen in den Stall soll oder ein Katzenklo braucht.

»Was macht ihr hier eigentlich?«, will ich wissen. »Warum habt ihr die Noctu angelockt?« Denn ich bin mir sicher, dass diese Wesen nicht ohne Grund aufgetaucht sind.

»Das war eine Aktion, die vom Direktor und dem Rat angeordnet worden ist. Mehr brauchst du nicht zu wissen«, knurrt Ayden.

Ich hebe die Brauen, denn damit habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Das alles kann dann aber auch nur eines bedeuten. »Ihr zwei seid ebenfalls Hunter.«

Ty grinst. »Tylor Waydon, seit zwei Jahren Hunter. Bevor Ayden in unsere Reihen kam, war ich der Jüngste, der in diesen elitären Kreis aufgenommen worden ist.« Er nickt in Vickys Richtung. »Und das ist Victoria Smith. Sie ist schon etwas länger dabei.«

Ich nicke ihr zu, aber ihr Ausdruck ist immer noch finster, ganz zu schweigen von Aydens. Ich habe noch so viele Fragen, aber jetzt scheint wirklich nicht der richtige Zeitpunkt zu sein. »Ähm, okay, war nett, euch kennengelernt zu haben. Dann mache ich mich mal auf den Heimweg.«

Aber noch ehe ich auch nur drei Schritte gemacht habe, ist Ayden bei mir, packt mich am Arm und zieht mich mit sich.

»Hey, kennst du sie etwa? Ist sie eine Freundin von dir?«, ruft Ty uns nach.

»Ganz sicher nicht«, knurrt Ayden zurück. Seine Worte versetzen mir einen leichten Stich, obwohl ich natürlich weiß, dass sie nur allzu wahr sind. »Sie ist ein Mädchen, das einfach nicht hier sein sollte.«

»Ah!«, höre ich Ty noch rufen. »Sag bloß, das ist diese Teresa, die dein Paps trotz deiner Einschätzung an die Schule geholt hat. Ganz schön süß, muss ich sagen. An deiner Stelle hätte ich mir das noch mal überlegt.« Ich höre das Lächeln in seiner Stimme, aber Ayden gibt ihm keine Antwort.

Er zieht mich von den beiden fort und stößt mich unsanft gegen eine Hauswand. Sie ist feucht und unangenehm kalt. Aydens Blick schneidet sich in meinen. Er stemmt die Hände neben meinen Kopf, sodass ich ihm nicht entkommen kann. Seine Augen funkeln vor Wut, sie wirken wie ein Hurrikan, der gleich über mich hinwegfegen und alles mit sich reißen wird. Unaufhaltsam und gnadenlos.

»Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Hast du überhaupt deinen Kopf eingeschaltet? Weißt du eigentlich, in welche Gefahr du dich da begeben hast?« Er lässt mir gar nicht die Chance, zu antworten. »Nein, natürlich nicht. Du hast nur deine dumme Neugier befriedigen wollen und keinen Moment daran gedacht, was du da eigentlich machst. Und genau darum gehörst du nicht auf diese Schule. Entweder du ziehst die Gefahr an oder stürzt dich selbst blindlings hinein.«

»Ich dachte, du hättest deine Meinung inzwischen etwas revidiert. Immerhin wäre ich wohl ohne deine Hilfe schon gar nicht mehr an dieser Schule.«

»Ohne meine Hilfe wärst du längst tot.«

»Danke für dein unermüdliches Vertrauen«, erwidere ich leise.

Er ist mir so nahe, dass ich die Wärme seines Körpers spüren kann. Auch wenn ich es nicht möchte, es fühlt sich gut an, vertraut, verheißungsvoll. Dazu noch diese unglaublich grünen Augen, die solch eine Macht über mich haben – gerade bringen sie mal wieder meine komplette Gefühlswelt zum Einsturz. Und schüren meine Wut!

»Ich bin nicht so schwach, wie du denkst«, gifte ich zurück. »Mittlerweile habe ich viel dazugelernt. Und ich habe bewiesen, dass ich nicht so leicht zu töten bin.«

Ayden seufzt verächtlich. »Oh ja, und vor allem hast du klargestellt, dass du Gefahr magisch anziehst und für unsere Feinde ein leichtes Opfer bist. Muss ich dich noch mal an Noah erinnern? Ich kann noch immer nicht glauben, wie nah er dir war.«

Seine rechte Hand wandert näher an mein Gesicht heran. Mein Herz klopft, als wollte es gleich zerspringen.

»Wie kann man nur so dumm sein?!«

»Das hätte jedem passieren können«, presse ich zwischen den Lippen hervor. »Wenn dein Vater oder die Lehrer oder du mich besser informiert hättet … Nichts erklärt man mir!« Mir bleiben die Worte im Hals stecken, ich kann nicht mehr denken, sehe nur diese tiefgrünen Augen vor mir und diese unvergleichlichen Lippen, die zu zornigen Strichen verzogen sind. Sein Atem streicht über mein Gesicht und ich bekomme eine Gänsehaut.

»Komm uns einfach nicht mehr in die Quere«, sagt er und reißt sich von mir los. Er wendet sich ab und lässt mich stehen. Einen Moment sehe ich ihm hinterher, dann gebe ich meinen wackeligen Beinen nach und lasse mich auf den Boden sinken. In was bin ich da nur wieder hineingeraten?

Textschnipsel 2

Heute gibt es den nächsten Textschnipsel. *-* Wie ihr seht, hat es Teresa auch in diesem Band nicht immer einfach. Na, was meint ihr, wer ist in der Not für Teresa zur Stelle?
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Klappentext und Vorbestellung

Ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende und nicht ganz so schwüles Wetter, wie es uns hier gerade zu schaffen macht. Bei uns ist heute ein aufregender Tag. Es sind wieder ein paar Wachtelküken am Schlüpfen und zudem kann ich euch heute den Klappentext zu "Schicksalsgöttinnen" vorstellen.

Wer mir schon länger folgt, weiß mittlerweile, dass ich das Schreiben von Klappentexten überhaupt nicht mag. Ich finde es immer unheimlich schwierig, nicht zu viel zu verraten und gleichzeitig Spannung zu erzeugen. Zudem kann ich mich einfach nicht kurzfassen. Aber letztendlich habe ich doch etwas zu Papier gebracht und ich bin sehr zufrieden damit. Ich hoffe, ihr auch. ;)

Zudem habe ich noch eine tolle Nachricht für euch: Das Ebook von "Schicksalsgöttinnen" ist ab sofort auf Amazon vorbestellbar. Hier der Link

Und nun der versprochene Klappentext:

»Es ist doch schön hier», sagt Noah. »Wir haben eine tolle Aussicht auf die Bucht, die Stadt, können dem Trubel ein wenig entgehen und ganz unter uns sein.«
»Ja, weil ich keine Möglichkeit habe, zu entkommen. Darum geht es doch, habe ich recht?«
Noah legt den Kopf leicht schief und grinst. »Vielleicht ein bisschen.« Dieses Lachen ist nicht auszuhalten und ich würde ihm am liebsten eine verpassen.

Teresa kennt nun Noahs wahres Gesicht und will sich um jeden Preis von ihm fernhalten. Leider ist das gar nicht so einfach, denn er hat ganz andere Pläne und wird sich nicht so leicht abschütteln lassen.
Kaum beginnt Teresa ihm wieder etwas Vertrauen entgegenzubringen, offenbart er eine noch dunklere Seite von sich. Und genau dieser wird Teresa sich schon bald sehr nahe fühlen. Denn das Grauen bekommt ein neues Gesicht: Das Schicksal liegt nicht in der Hand der Menschen, sondern in der von Göttinnen. Und diese könnten nicht grausamer sein.

 

2. Leseprobe

Zum Wochenende gibt es heute eine weitere Leseprobe. Ich mag die Szene sehr gerne und bin gespannt, was ihr dazu sagen werdet. Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.

Ich lasse mir in der Umkleidekabine viel Zeit, dusche ausgiebig und ziehe mich an. Als ich fertig bin, sind alle anderen längst gegangen. Ich gehe hinaus und zucke vor Schreck zusammen, als ich eine Gestalt an der Wand mir gegenüber stehen sehe. Ich bin gerade wirklich nicht in der Stimmung, mich mit Ayden zu befassen. Meine Laune erreicht einen neuen Tiefpunkt. Ohne ein Wort gehe ich an ihm vorbei, bleibe aber stehen, als ich seine Stimme hinter mir höre, die überraschend sanft klingt.

»Wie geht es dir?«

»Seit wann interessiert dich das?«

Er verdreht die Augen und stößt sich von der Wand ab. »Du hältst dich wirklich gut.«

Diese Feststellung kommt unerwartet, immerhin stammt sie von Ayden.

»Findest du?«, frage ich in sarkastischem Tonfall. »In Anbetracht dessen, dass ich jeden Tag von Amber und Monica vorgeführt werde und selbst die Lehrer daran nichts Falsches sehen, stimmt das wohl. Aber es ändert leider nichts.«

»Auf jeden Fall lernst du dabei nicht viel«, stellt er fest. In diesem Punkt sind wir uns also zumindest einig.

Dennoch kann ich mir eine weitere Spitze nicht verkneifen. »Im Grunde müsste dich das doch freuen. Die Chancen stehen nicht allzu schlecht, dass ich bald von der Schule geworfen werde.«

Bislang habe ich es vermieden, direkt in Aydens Gesicht zu sehen, aber meine Wut ist momentan so groß, dass ich mir sicher bin, seinen tiefgrünen Augen und ihrer magischen Anziehungskraft standhalten zu können. Nur kurz geht mir durch den Kopf, wie wunderschön sie sind und dass sie mich an schillernde Smaragde erinnern. Auch sein Gesicht ist makellos und könnte das eines ziemlich gut bezahlten Models sein. Allerdings weiß ich, was für ein Mensch hinter dieser anziehenden Fassade steckt.

»Inzwischen habe ich durchaus festgestellt, dass ich dich nicht so schnell loswerde und du ziemlichen Kampfgeist besitzt.«

»Wenn das ein Lob sein soll, musst du echt noch üben. Und warum sagst du das überhaupt?« Aber die Antwort kann ich mir selbst geben. »Verstehe. Dir schwebt noch immer die Sache mit Noah im Kopf herum, habe ich recht? Du willst versuchen, mich auf deine Seite zu ziehen, damit ich dir vielleicht doch noch irgendetwas Hilfreiches über ihn verrate.« Ich schaue ihn noch einmal an, sehe, wie sich seine Augen weiten, und merke deutlich, dass ich den Punkt getroffen habe. »Du bist echt widerlich«, werfe ich ihm entgegen, wende mich ab und lasse ihn einfach stehen. Doch mit nur drei schnellen Schritten hat er mich eingeholt, packt mich am Arm und dreht mich zu sich herum. Ich bin so überrascht, dass ich für einen Moment nichts sagen kann.

Auf einmal liege ich direkt in seinem Arm, sein Blick sprüht Funken und ich spüre die Anspannung in seinem gesamten Körper.

»Du hast das in den völlig falschen Hals bekommen. Ich würde dich niemals in Gefahr bringen, ist dir das nicht klar? Und ohnehin habe ich diesen Gedanken mit Noah längst verworfen. Du willst nicht? Das ist in Ordnung für mich.«

Ich kann kaum glauben, was ich da höre, und brauche eine Weile, bis ich die Worte verarbeitet habe. Hinzu kommt diese ganze Situation: Aydens rechte Hand liegt auf meinem Arm, seine andere ist um meine Hüfte geschlungen. Ich habe das Gefühl, seine Finger durch meine Kleidung hindurch auf meiner Haut brennen zu fühlen. Dazu sein Blick, der leider noch nicht seine ganze Macht über mich verloren zu haben scheint. Dieses tiefe Grün, diese Unergründlichkeit, die Stärke darin – es ist wie ein gewaltiger Sturm, der mich mitreißt. Auf jeden Fall sind wir uns nahe – viel zu nahe. Es ist ein Umstand, mit dem ich gerade nicht klarkomme.

»Ich wollte nur, dass du das weißt«, sagt er und sein Atem streichelt verheißungsvoll über meine Haut. Dann lässt er mich los.

Ich starre ihn fassungslos an. »War … das gerade etwa eine Entschuldigung?«

Ein Lächeln erscheint auf seinen Lippen und er schüttelt belustigt den Kopf. »Nenn es, wie du willst. Ich wollte dir das einfach nur gesagt haben.«

»Es wäre ja auch schrecklich, wenn du eingestehen müsstest, einen Fehler gemacht zu haben.«

»Du bist echt starrsinnig«, meint er, aber sein Tonfall klingt alles andere als scharf. »Du weißt jetzt jedenfalls, dass ich dich nicht für irgendetwas benutzen will, und es ist hoffentlich alles geklärt. Ich werde meinem Vater auch nichts von der Sache mit Noah erzählen. Ich werde es für mich behalten, darauf kannst du dich verlassen.«

Ich nicke und weiß gerade überhaupt nicht, wie ich dieses Gespräch einordnen soll. Mein Herz macht ein paar schnelle Sprünge, denn seine Worte bedeuten mir unendlich viel. »Sag nun bloß nicht, du hast dich damit abgefunden, dass ich auf der Schule bleibe.«

»So weit würde ich in der Tat nicht gehen«, stichelt er, doch das Funkeln in seinen Augen nimmt seinen Worten die Härte. »Offenbar wird man dich nicht so leicht los.« Damit dreht er sich um und geht den Flur entlang. Bevor er in den Internatstrakt wechselt, ruft er mir ein »Lass dich nicht unterkriegen!« nach.

Ich starre ihm sprachlos hinterher. Ein Friedensangebot von Ayden? Ich kann es nicht fassen. Aber mein Herz macht ein paar erleichterte Hüpfer. Es wäre schön, wenn ich wenigstens eine Person weniger gegen mich hätte.

Bildquelle: Pixabay

Cover Reveal

Es wurde viel gebastelt, eine Menge musste ausprobiert, angepasst und nochmals verändert werden. Aber letztendlich war es dann irgendwann doch geschafft und ich bin ganz verzaubert von dem wundervollen Cover. Es passt so gut zum Buch und ich liebe die Farben. Wie gefällt es euch?

Textschnipsel “Schicksalsgöttinnen”

Heute gibt es einen ersten Textschnipsel aus “Schicksalsgöttinnen”, dem zweiten Band der Schicksalsreihe. In dem Ausschnitt merkt man ganz gut, dass Teresa und Ayden noch immer ihre Differenzen haben. Werden sie letztendlich doch zusammenfinden? Und was ist mit Noah? Verfolgt er weiterhin seine Pläne? Am 01. Juli werdet ihr es erfahren. 😉

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Erste Leseprobe “Schicksalsgöttinnen”

Wie ihr bereits wisst, wird am 01. Juli der zweite Band der Schicksalsreihe unter dem Titel “Schicksalsgöttinnen” erscheinen. Ich bin schon so gespannt und fiebere dem Termin sehnsüchtig entgegen. Bis dahin sind es nicht mal mehr zwei Wochen und ich möchte euch auf jeden Fall die Wartezeit ein wenig versüßen. Heute starten wir mit einer ersten Leseprobe. Ich bin gespannt, wie sie euch gefallen wird. 😉

Finsternis. Nichts als Finsternis und Kälte nehme ich wahr. Bin ich tot? Es muss so sein. Immerhin hat mich dieses unendliche Flammenmeer direkt erfasst. Erbarmungslos und verzehrend.
»Nun wach schon auf, los!«, fordert mich eine bekannte Stimme in einem ebenso vertrauten, unfreundlichen Tonfall auf. Ich brauche einen Moment, bis mir klar wird, dass ich wohl noch am Leben sein muss. Oder hat mich Ayden bis in die Hölle verfolgt, um mich dort heimzusuchen?
Ich öffne meine Lider, fühle mich etwas benommen. Noch immer liege ich auf dem Boden in der kleinen Gasse. Noah ist verschwunden. Geblieben sind nur Ayden, Snow und Yoru, der neben mir sitzt und mich tröstend mit der Schnauze anstupst.
»Jetzt komm schon hoch«, brummt Ayden mich an. »Noah ist abgehauen, der Feigling.« Seine Stimme ist voller Abscheu.
Ich dagegen bin einfach nur erleichtert, dass der Kampf erst mal überstanden zu sein scheint. Ich rappele mich auf und stehe auf meinen wackeligen Beinen. Noch immer sehe ich die Flammen, die nur wenige Augenblicke zuvor auf mich zugerast sind und mich erfasst haben. Doch auf meinem Körper sind keinerlei Spuren zu finden.
»Nun hör auf, dich nach Verletzungen abzusuchen«, fährt Ayden mich an. »Ich kann mein Feuer durchaus so kontrollieren, dass es dir nichts antut. Zudem beherrscht dein Schlüsselgeist ebenfalls die Kraft der Flammen. Die Träger sind normalerweise etwas standfester gegenüber dem Element ihres Geistes.«
Meine Augen werden eine Spur schmaler, während ich ihn anblitze. »Es ist nun mal kein allzu schönes Gefühl, eine riesige Flammenwand auf sich zurasen zu sehen. Und woher hätte ich bitte wissen sollen, dass sie mich nicht umbringen wird?!«
»Auch wenn du mir tierisch auf den Nerv gehst, kannst du dir sicher sein, dass ich dich nicht verletzen würde«, fügt er etwas ruhiger hinzu.
»Wer´s glaubt«, murmele ich leise vor mich hin und schaue mich noch einmal um. Noah ist zum Glück tatsächlich verschwunden. Und ich hoffe inständig, dass es dabei auch bleiben wird.
»Wir sollten von hier verschwinden, bevor womöglich noch weitere Noctu auftauchen«, schlage ich vor.
Ayden nickt. »Mein Motorrad steht in der Nähe auf einem Parkplatz.«
Während wir die Gasse verlassen, schweigen wir einen Moment. Noch immer zittern mir die Knie und die Erinnerungen an den Kampf gleißen durch meinen Kopf. Noah ist ein Noctu. Ich war mit ihm aus, habe ihn für einen normalen Menschen gehalten – schlimmer noch, einen Freund, den ich sehr mochte und mit dem ich mir vielleicht irgendwann sogar mehr hätte vorstellen können. Ist denn wirklich jeder, den ich kennenlerne, nur hinter mir her, um mich auszuhorchen und für seine Zwecke zu missbrauchen?!
»Willst du nicht endlich mal etwas zu alldem sagen?«, knurrt mich Ayden an. In seinen Augen tobt mal wieder ein wildes Feuer aus Wut und Ungeduld. »Ich warte!«
Ich seufze und frage mich, ob der Kerl denn wirklich gar kein Taktgefühl hat. »Wozu?«, erwidere ich mit Unschuldsmiene und schüre seine Wut damit nur weiter.
»Wo zum Teufel hast du den Typen kennengelernt? Wie hat er dich überhaupt finden können und wie konntest du auf ihn hereinfallen? Ich meine, hast du wirklich nichts geahnt? Kann man tatsächlich dermaßen dämlich sein?!«
Ich verschränke die Arme vor der Brust und würde ihm auf diese Anschuldigungen am liebsten gar keine Erwiderung schenken. Der Kerl hat sie doch nicht mehr alle! »Wie hätte ich das bitte ahnen sollen? Ich kenne keinen Noctu. Bis heute habe ich nur diese ekeligen Monster gesehen, aber niemanden, der noch ein Mensch war. Oder wenigstens so aussah. Du scheinst Noah dagegen ja schon einige Male über den Weg gelaufen zu sein. Für mich war er einfach nur ein netter Junge, mit dem ich mich ab und an mal getroffen habe. Ich konnte doch nicht …«
Ayden bleibt stehen. Ihm entgleisen die Gesichtszüge. »Ab und an mal?!«, wiederholt er meine Worte und zieht natürlich die richtigen Schlüsse daraus. »Das heißt, du warst mehrmals mit ihm unterwegs?« Er kann es nicht glauben. Und irgendwie geht es mir genauso.
»Ich war heute zum ersten Mal mit ihm aus«, stelle ich richtig. »Davor bin ich ihm dreimal begegnet. Das erste Aufeinandertreffen war in einem Bus, er hat aus Versehen Kaffee über mir verschüttet.«
Ayden seufzt und verdreht die Augen. »Das war garantiert kein Zufall. Da wird er schon gewusst haben, dass du eine Schlüsselträgerin bist, und wollte nur den Kontakt zu dir aufnehmen. Sicher hat er dich zuvor bereits eine ganze Weile beobachtet.«
Ich schlucke schwer, denn allein die Vorstellung ist alles andere als angenehm. Ist Noah mir tatsächlich gefolgt? Wie lange? In welchen Situationen? Was weiß er alles über mich? Ich fühle mich schmutzig und benutzt. Zugleich spüre ich ein tiefes Unbehagen, denn wenn Noah mich beobachtet hat und ich es nie mitbekommen habe, dann kann er es wieder tun.
»Hat dein Fuchs denn nie bemerkt, dass ihr verfolgt werdet?«
»Gesagt hat er jedenfalls nichts«, gifte ich bei diesem Angriff zurück. »Und denkst du, ich wäre mit ihm ausgegangen, wenn ich auch nur geahnt hätte, dass er ein Noctu ist?«
Er mustert mich prüfend. Allein dieser Umstand macht mich fassungslos. Aber offenbar kommt er dann doch zum richtigen Schluss. »Nein, so dämlich wärst nicht mal du.«
»Zu freundlich«, knurre ich leise.
Wir gehen weiter, schweigen erneut, jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt.
»Er wollte nur herausfinden, ob ich tatsächlich eine Schlüsselträgerin bin. Wollte wissen, ob es sich lohnt, mich zu töten«, überlege ich laut und spüre den tiefen Schmerz in meinem Inneren. Ich war so dumm. Schon wieder bin ich auf einen Kerl hereingefallen, der nur mit mir gespielt hat. Aber dieses Mal hätte es beinahe mein Leben gekostet.
Ayden schüttelt den Kopf. »Das wird nicht alles gewesen sein. Noah hat die ganze Zeit davon gesprochen, dass er Pläne mit dir hat. Vermutlich wollte er mit deiner Hilfe mehr über uns Schlüsselträger, unsere Schule, Ausbildung und Können in Erfahrung bringen. Du solltest, ohne es zu wissen, sein Spion werden.«
Ich schlucke schwer. Wahrscheinlich hat Ayden damit recht. Sofort gehe ich im Geiste durch, was Noah sich aus meinen Worten hätte zusammenreimen können. Aber zum Glück bin ich sehr vorsichtig gewesen. Noch einmal sehe ich sein lächelndes Gesicht vor mir, doch die sonst so fröhlichen und warmen Augen sind voller Hohn und Kälte. Dabei fällt mir noch etwas anderes ein. Ich sehe Ayden an. Die folgenden Worte kommen mir nicht leicht über die Lippen. Dennoch weiß ich ohne Zweifel, dass sie richtig sind. »Ich danke dir für deine Hilfe. Ohne dich hätte ich den Kampf vermutlich nicht überlebt.«
Ayden erwidert nichts, schaut mich nur unverwandt an und nickt nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich. »Ja, da hast du wahrscheinlich recht.« Auch diese Worte fühlen sich wie ein Dolchstoß an. Ich war so glücklich, dass ich gelernt hatte, Yoru mein Odeon schicken zu können. Ich habe geglaubt, endlich ein Teil der Welt der Schlüsselträger zu sein. Und nun muss ich feststellen, dass ich noch immer nichts weiß und im Grunde komplett am Anfang stehe.
»Ich habe wirklich gedacht, mir bleibt das Herz stehen, als ich dich mit dem Kerl auf der anderen Straßenseite gesehen habe«, sagt Ayden. Seine Stimme klingt erstaunlich ruhig, fast schon sanft. »Ich konnte Noah auf die Entfernung nicht richtig erkennen, war mir also nicht ganz sicher, aber ich hatte den Verdacht. Letztendlich hat er sich leider bestätigt. Er hat sich unser schwächstes Glied ausgesucht und einen Angriff gewagt. Er ist wirklich nicht dumm und wusste genau, was er tun muss.«
»Dass ich in deinen Augen euer schwächstes Glied bin, liegt vor allem daran, dass ich viel zu wenig über eure Welt weiß. Was habt ihr mir schon über die Noctu und ihre Absichten anvertraut? Wie hätte ich ahnen können, dass einer von ihnen hinter mir her sein könnte?«
Erneut sieht er mich auf diese durchdringende Art und Weise an, sodass mir heiß und kalt wird. »Normalerweise ist das auch nicht ihre Vorgehensweise. Das alles muss auf Noahs Mist gewachsen sein. Der Kerl ist zu allem fähig.«
»Wenn ihr das schon nicht kommen sehen konntet, wie hätte mir dann etwas auffallen sollen?«
Ayden seufzt und schüttelt den Kopf. Wir folgen der Straße. Die Welt um mich herum erscheint mir unwirklich. Vor nicht mal einer halben Stunde habe ich noch dem Tod ins Gesicht gesehen, musste mit meinem Schlüsselgeist gegen einen Noctu kämpfen, und nun gehen wir an einer viel befahrenen Straße entlang, Passanten ziehen sorglos an uns vorbei und wissen nichts von dem, was in dieser Stadt vor sich geht.
»Du hast recht«, räumt Ayden ein, und ich glaube, meinen Ohren nicht zu trauen. »Du hattest keine Chance, irgendetwas zu ahnen. Dafür stellt sich Noah auch zu geschickt an.«
Ich freue mich über seine Worte und fühle mich etwas erleichtert. Vielleicht wage ich darum einen Vorstoß. »Du scheinst Noah recht gut zu kennen?«
Er lacht und schüttelt den Kopf. »Nein, ganz sicher nicht. Ich hatte nur das zweifelhafte Vergnügen, ihm schon einige Male im Kampf gegenüberzustehen. Aber da bin ich nicht der Einzige. Für den ein oder anderen Hunter ist die Begegnung mit Noah nicht allzu gut verlaufen. Durch diese Kämpfe weiß ich aber, dass man ihn nicht unterschätzen darf. Er ist verdammt gefährlich. Umso schlimmer, dass du an ihn geraten bist. Ich hoffe sehr, dass du ihm keine wichtigen Informationen über uns gegeben hast.«
Ich halte seinem Blick stand, lasse mich nicht einschüchtern. Mit fester Stimme erkläre ich: »Ich habe ihm nichts über unsere Schule erzählt. Er weiß nur, dass ich auf einer Highschool für Hochbegabte bin und es dort nicht leicht habe. Wir haben wirklich nur über harmlose Dinge gesprochen.«
Ayden blickt ein wenig zweifelnd drein, aber schließlich nickt er. »Wenn du es sagst.«
Wir erreichen den Parkplatz und ich setze mich hinter Ayden auf sein Motorrad. Eigentlich hatte ich gehofft, nie wieder auf diese Höllenmaschine zu müssen. Ayden fährt los und biegt auf die Straße ab. Unsere Schlüsselgeister haben sich längst von uns getrennt, verstecken sich irgendwo hinter Häuserecken, Bäumen und Büschen. Aber sie sind in unserer Nähe und werden uns auch weiterhin folgen, dessen bin ich mir sicher.
»Wir müssen Mr. Collins von diesem Vorfall berichten«, erklärt er.
Es ist ein seltsames Gefühl, ihm schon wieder derart nah zu sein, meine Arme um ihn zu schlingen und seinen Körper unter meinen Händen zu spüren. Doch im Moment beschäftigen mich ganz andere Dinge.
»Du meinst wohl deinen Vater?«
Er nickt. Es wundert mich nicht, dass er ihn mir gegenüber nicht einfach Dad nennt. Ayden ist viel zu pflichtgetreu, hat nur die Schule und deren Aufgabe im Sinn. Sein Vater ist auch sein Boss. Würde er ihn tatsächlich auf diese Weise ansprechen, dann würde das seinen Vater menschlicher machen. Und für Menschlichkeit ist offenbar nicht allzu viel Platz in der Welt der Schlüsselträger.
Mein Magen zieht sich bei der Vorstellung zusammen. Was wird Mr. Collins zu dem Ganzen sagen? Wird er mir glauben, dass ich Noah nichts Wichtiges über die Schule erzählt habe? Wird er annehmen, dass ich mich habe benutzen lassen? Oder wird er mich für schwach halten? Wird er letztendlich Aydens Einschätzung zustimmen und mich als untragbar einstufen? Werde ich von der Schule fliegen? Kurz frage ich mich, was das für mich bedeuten würde. Könnte ich einfach so in mein altes Leben zurückfinden? Und was würde mit Yoru geschehen? Ich hoffe so sehr, dass ich es nicht werde herausfinden müssen.

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Band 2 Schicksalsreihe

Viele von euch haben mich bereits gefragt, wie der zweite Band der Schicksalsreihe denn heißen wird. Und heute möchte ich es euch endlich verraten. Der Titel des Buchs wird “Schicksalsgöttinnen” lauten und als erstes werdet ihr natürlich erfahren, wie es Teresa nach ihrem letzten Kampf ergangen ist. Wie geht es mit Ayden weiter? Was führt Noah im Schilde? Und gibt es einen Weg, sich gegen das Schicksal zu stellen? Seid gespannt, ihr werdet es schon bald erfahren. Natürlich werde ich euch frühzeitig über den Erscheinungstermin informieren, das Cover vorstellen und es wird Leseproben, sowie kleinere Textschnipsel geben.

 

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Abstimmung zum Buch des Monats

 
Momentan findet auf der Seite “Kind of Book” die Wahl zum Buch des Monats statt und “Schicksalsruf” wurde dafür ausgewählt, worüber ich mich wahnsinnig freue. *-*
 
Nun brauche ich eure Unterstützung: Es wäre toll, wenn ihr für “Schicksalsruf” stimmen könntet. Unter allen abgegebenen Stimmen verlost Kind of Books übrigens einen Kindle Paper White. 😉 Ich danke euch schon jetzt für eure Mühen.