Juliane

Juliane Maibach wurde 1983 geboren und lebt zusammen mit ihrem Mann in der Nähe von Freiburg im Schwarzwald. Sie schreibt seit ihrer Kindheit,- zunächst Kurzgeschichten und Gedichte; später dann auch erste längere Geschichten und ganze Bücher, in denen sie ihre eigenen fantasievollen Welten erschaffen konnte. Inzwischen schreibt sie vor allem im Romantic-Fantasy Genre. Nach einem Germanistik Studium arbeitete sie als Verwaltungsfachangestellte. Mittlerweile konnte sie sich jedoch ihren großen Traum erfüllen und ist ausschließlich als Autorin tätig. Mit ihren ersten beiden Roman-Reihen Necare und Midnight Eyes, konnte sie eine Vielzahl an Lesern begeistern und in ihren Bann ziehen.

Neue Leseprobe

Heute gibt es eine neue Textstelle. Etwas kürzer dieses Mal, aber dafür hat sie es in sich. Denn Teresas Gefühl, bewahreitet sich. Jemand ist hinter ihr her.

Das ist das Ende, geht es mir durch den Kopf. Das werde ich nicht überleben. Mir ist schlecht und ich kann mich nicht rühren. Vorsichtig bewege ich den Kopf, mein Sichtfeld schwankt, aber ich kann immerhin ein klein wenig erkennen. Irgendetwas sitzt neben mir. Sofort versuche ich, davon wegzurutschen, gebe einen entsetzten Laut von mir. Da spüre ich auch schon eine warme, weiche Schnauze, die mich anstupst. Ein so vertrautes Gefühl. »Yoru!« Mein kleiner Fuchs schmiegt sich an mich. Mit zitternden Händen fasse ich mir an den Kopf und spüre eine ziemlich große Beule und etwas Nasses. Ich gehe stark davon aus, dass es Blut ist. Vorsichtig schaue ich mich um, von dem Angreifer ist nichts mehr zu sehen. Allein diese Bewegung kostet mich so viel Kraft, dass ich mich erst mal wieder erschöpft auf den Boden zurücksinken lassen muss. Ich bleibe eine Weile dort liegen, auch wenn mir klar ist, dass ich so schnell wie möglich von hier fortmuss. Zuerst muss der Schwindel aufhören. Ich schließe die Augen und versuche, mich zu beruhigen. In meinem Kopf hämmert es. Es fühlt sich an, als wollte er zerspringen. So liege ich einfach nur ruhig da und atme gleichmäßig. Nach einer ganzen Weile starte ich einen erneuten Versuch. Dieses Mal geht es schon deutlich besser und es gelingt mir immerhin, mich aufzusetzen. In dieser neuen Position muss ich wieder verharren, bis ich genug Kraft habe, um mich weiter vorzuwagen. Ich ziehe mich an der Wand neben mir in die Höhe. Mir wird schwindelig, ich beiße die Zähne zusammen und warte. Yoru schaut mich besorgt an, aber allein die Tatsache, dass ich dies erkennen kann, erleichtert mich ungemein. Endlich erkenne ich auch, wo ich mich befinde. Der Angreifer scheint mich von der Straße in eine kleine Gasse gezerrt zu haben. Wenn Yoru nicht gekommen wäre, hätte ich hier wohl mein Leben verloren. Mir fallen wieder die glänzenden Zähne ein, mit denen er mich zerreißen wollte. Seit wann greifen Noctu mitten auf der Straße an?! Das alles macht keinen Sinn, aber ich verstehe im Augenblick ohnehin kaum etwas. Die Tasche mit den Bildern liegt wenige Meter von mir entfernt auf dem Boden. Ich greife sie und verstecke sie hinter ein paar Mülltonnen. Im Augenblick kann ich sie nicht tragen, ich werde sie also hierlassen und so bald wie möglich wiederholen müssen. Ich hoffe inständig, dass die Bilder hier sicher sind. Aber was habe ich schon für eine Wahl?Zur Schule ist es nicht mehr weit, darum komme ich wohl gar nicht auf die Idee, irgendwen mit dem Handy anzurufen. Meine Mutter würde ewig brauchen, bis sie hier ist. Schwerfällig schleppe ich mich zur Schule zurück. Immer wieder sehe ich mich ängstlich um, aber zum Glück scheint Yoru den Angreifer tatsächlich vertrieben zu haben. Es wundert mich etwas, denn Yoru kann sich ohne Odeon nicht verwandeln. Es ist ihm also gelungen, mich in seiner normalen Form zu beschützen. Hätte er so tatsächlich eine Chance gegen einen Noctu gehabt? Ich fasse mir erneut an den Kopf und fühle die Beule. Es wurde keine Magie benutzt, nur brachiale Gewalt. Auch das ist untypisch für die Noctu. Kann es etwa sein, dass ich einfach nur überfallen worden bin? Aber die blitzenden Zähne … Waren sie vielleicht in Wirklichkeit ein Messer? Doch weshalb der Angriff? Ich bin mir sicher, dass man mich töten wollte. Nur weshalb? Mein Portemonnaie ist noch da, und ich sehe sicher nicht so aus, als würde ich Reichtümer mit mir herumschleppen. Und da kommen mir die Bilder in den Sinn. Das Einzige, das ich bei mir hatte, das vielleicht von wert ist. Aber warum? Weshalb sollte jemand die Gemälde haben wollen? Das alles macht keinen Sinn, und das Denken fällt mir gerade ohnehin so schwer. Ich bin unendlich froh, als das Schulgebäude vor mir auftaucht. Erschöpft und vollkommen ausgelaugt, schleppe ich mich auf die Krankenstation.

Klappentext

Wenn ihr meine Beträge regelmäßig verfolgt, dann wisst ihr mittlerweile, dass ich das Schreiben zwar liebe, es aber eine Sache gibt, die mir ziemlich schwer von der Hand geht: Klappentexte schreiben. Ich kann mich nun mal nicht kurzfassen, es geht einfach nicht. Von daher bin ich schon mal froh, dass der Klappentext keine drei Seiten lang geworden ist. xD Und natürlich hoffe ich sehr, dass er euch gefällt.

Urlaub

Ihr Lieben,
endlich steht bei uns der Urlaub an und ich freue mich schon lange auf diese Auszeit. In den letzten Monaten war viel los, es gab eine Menge Arbeit, von daher tut es gut, mal Luft holen zu können. Ich liebe das Schreiben zwar und es gehört einfach zu mir, aber es ist auch schön, den Stift bzw. die Tastatur ruhen zu lassen und nur noch Zeit mit meinem Mann und meinen Kleinen verbringen zu können.
In dieser Zeit werde ich keine Kommentare und Nachrichten von euch beantworten können. Ab dem 30.09 bin ich wieder für euch da – also pünklich zur Veröffentlichung von Schicksalsfeuer. Natürlich wird es trotzdem einige Posts geben. Ich möchte euch noch den Klappentext vorstellen und es wird weitere Leseproben und Textschnipsel geben. Ihr findet sie auf Instagram und meiner FB Autorenseite.

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Erste Leseprobe

Zum Wochenstart gibt es heute eine erste Leseprobe aus "Schicksalsfeuer." Ich liebe diese Szene. *-* Ich hoffe, es geht euch auch so. :)

Ich bin froh, dass der Weg nicht allzu weit ist, denn gerade kann ich Aydens Gegenwart kaum ertragen. Die Luft fühlt sich schwer an, als wäre sie aufgeladen von einer unheilvollen Elektrizität, die sich bald in einem schrecklichen Gewitter entladen wird.
Wir betreten gemeinsam das Gebäude und folgen dem Flur, wo wir vereinzelt ein paar Schülern begegnen, die auf dem Weg zu ihren Zimmern sind.
»Tja, der Abend ist wohl anders verlaufen, als wir beide uns das gedacht haben«, sagt Ayden.
Ich runzele die Stirn. Spielt er damit auf die Nacht an, die er nun ohne Vicky verbringen muss, oder doch nur auf den eigenartigen Kinobesuch? »Immerhin ist dir klar, dass wir nichts von eurem Kinobesuch wussten«, erwidere ich. Als ich mit Max und Lucia bei der Hunter-Party aufgetaucht bin, hat er mir unterstellt, ich würde mich nur im Licht der Hunter sonnen wollen. Darüber kann ich auch jetzt nur den Kopf schütteln.
»Ty weiß, dass wir beide uns im Moment nicht allzu gut verstehen. Er kann Unstimmigkeiten nicht aushalten und hat darum wohl versucht, die Wogen zwischen uns zu glätten«, fährt er fort.
Vicky hat es ähnlich ausgedrückt, auch wenn sie es nicht in ganz so hübsche Worte gekleidet hat.
»Interessant, dass er sich dafür verantwortlich fühlt.«
Das erste Mal an diesem Abend wendet er sich mir nun ganz zu. Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut brennen und weiß, ohne hinzusehen, wie seine Augen gerade aussehen: dunkel, lodernd und voller Anziehungskraft. Genau darum halte ich meinen Blick auf den Boden vor mir gerichtet.
»Kannst du dir das nicht denken? Er betrachtet dich als Freundin. Immerhin habt ihr auch schon einiges zusammen durchgemacht.«
Ich weiß, dass er damit auf den Einbruch in Chloes Zelle anspielt, wobei Zelle wirklich übertrieben ist, denn es handelte sich dabei im Grunde um ein ganz normales Zimmer.
»Und hast du schon versucht, ihm diese Freundschaft auszureden?« Ich weiß, dass ich angriffslustig klinge, aber ich kann nicht anders. Das Schlimme ist nicht mal, dass Vicky wie eine Klette an ihm hängt und ständig an ihm rumfummelt. Was mich wirklich verletzt, ist die Tatsache, dass er mich den ganzen Abend komplett ignoriert und kein einziges Wort mit mir gewechselt hat. Noch deutlicher hätte er mir gar nicht zeigen können, was er von mir hält.
»Warum hätte ich das tun sollen?«, fragt Ayden verwundert. »Ty kann befreundet sein, mit wem er möchte.«
Ich hebe misstrauisch die Brauen. Dafür zeigt er aber jedes Mal sehr deutlich seinen Unmut, wenn ich irgendwo mit Ty auftauche. Gut, das kann auch daran liegen, dass Ty mich ständig irgendwo hinbringt, wo leider auch Ayden ist.
Vickys Bild drängt sich wieder in meinen Kopf, denn bei jedem dieser Treffen war sie an seiner Seite. Ich versuche, die Bilder mit aller Kraft von mir zu schieben, aber es geht einfach nicht. Und ehe ich es verhindern kann, kommen die Worte auch schon über meine Lippen: »Vicky wird sich Ty schon vornehmen und ihm klarmachen, was sie von dieser Freundschaft zu mir hält. Als sonderlich zurückhaltend kann man sie nun wirklich nicht bezeichnen.«
Ayden bleibt stehen, wir sind bei seiner Zimmertür angekommen. Doch zu meiner Verwunderung bricht er das Gespräch nicht sofort ab. Nein, er stellt sich an die Wand und lehnt sich dagegen. Nun kann ich nicht anders und sehe in sein Gesicht. Kurz halte ich den Atem an, denn meine Ahnung bestätigt sich: Seine Augen wirken wie kurz vor einem Sturm. Das Grün lodert, als wäre es elektrisch aufgeladen, etwas Dunkles wogt darin. Ich kenne diesen Ausdruck nur zu gut. Ayden ist verdammt sauer.
Dafür bringt er seine nächsten Worte ziemlich ruhig heraus. »Mir ist durchaus klar, dass ihr beide euch nicht allzu gut versteht. Aber du solltest sie nicht immer wieder ins Spiel bringen. Das habe ich dir schon mal gesagt.«
Gut, langsam steigt auch bei mir die Wut. »Warum zum Teufel nehmen Ty und du sie ständig in Schutz? Sie ist ein großes Mädchen und sie kann sich verdammt gut alleine verteidigen. Ja, stell dir vor, sie ist sogar ziemlich gut darin, auszuteilen. Ich glaube nicht, dass sie euch beide braucht, um die Scherben aufzukehren.«
»Ich habe keine Ahnung, was Vicky vorhin im Kino zu deiner Freundin und dir gesagt hat. Aber ja, ich kann mir denken, dass es vermutlich nichts allzu Nettes war und du darum so wütend bist. Trotzdem will ich, dass du sie aus unseren Unterhaltungen raushältst. Sie hat mit der Sache zwischen uns nichts zu tun.«
Ich reiße die Augen auf und spüre, wie die Wut als kochend heiße Welle durch meinen Körper schwappt. Yoru, der neben mir sitzt und die Veränderung in mir spürt, steht sofort auf, als wolle er sich kampfbereit machen. Aus einer Ecke tritt Snow hervor und zieht die Lefzen leicht hoch, auch er spürt, dass sich hier gerade etwas zusammenbraut.
»Du meinst wohl den Streit zwischen uns. Und ich würde behaupten, dass sie damit sehr wohl etwas zu tun hat. Immerhin wirft sie mir jedes Mal äußerst nette Dinge an den Kopf, sobald wir alleine sind – und darin spielst du verdammt oft eine ziemlich große Rolle.«
»Können wir bitte aufhören, über sie zu sprechen?«, sagt er in recht genervtem Tonfall.
»Gerne, dann sag ihr aber auch, dass sie mich mit dem Mist, der zwischen euch beiden abgeht, in Ruhe lassen soll. Es interessiert mich nicht, was ihr zwei treibt oder was nicht. Von mir aus könnt ihr ein Paar sein oder auch einfach nur euren Spaß miteinander haben, mir ganz egal. Sie soll mir einfach nur aus dem Weg gehen.«
Ich sehe noch, wie ein Funken in Aydens Augen aufblitzt, dann hat er mich blitzschnell gepackt und drückt mich gegen die Wand. Er steht genau vor mir, seine rechte Hand liegt an meiner Schulter. Mein Herz donnert in meiner Brust, ich versuche, einen klaren Gedanken zu fassen, aber ich verstehe gerade nicht, was hier los ist. Ayden kommt mir ganz nah, sein Atem streicht über meine Haut, seine Augen halten mich gefangen. Warum kann ich nicht wegsehen? Weshalb spüre ich die Berührung seiner Finger derart heiß auf mir glühen. Es ist, als würden sie sich durch den Stoff meiner Kleidung brennen und jede Nervenfaser in mir zum Klingen bringen.
»Offenbar nehmen die Gedanken, was Vicky und ich so tun, einen ganz schön großen Platz in deinem Kopf ein.« Der Klang seiner Stimme ist sanft und hat etwas so Verführerisches an sich – er steht in krassem Gegensatz zu der Bedeutung, die in seinen Worten liegt und mir wie ein Messer ins Herz schneidet.
»Ich will einfach nur meine Ruhe«, bringe ich abgehackt hervor. Ich wünschte, meine Worte entsprächen auch der Wahrheit.
Seine Finger strecken sich nach mir aus, berühren meine Wange, und ich schließe kurz die Augen. Sanft wandern sie über meinen Kiefer, streichen meine Halsbeuge entlang und setzen dort alles unter Storm. Ein leichtes Zittern erfasst mich, als sie über meine Lippen gleiten. Er sagt: »Vicky und ich haben ab und an etwas am Laufen, das hast du ja offenbar schon mitbekommen. Wir kennen uns schon eine lange Zeit und wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Sie wird mir immer wichtig sein.« Ich halte die Luft an, öffne die Augen und versuche, den Schmerz hinunterzuschlucken. Warum sagt er mir das? Und weshalb muss er mich dabei auf solche Art berühren? Es tut entsetzlich weh und schürt zugleich meine Wut auf ihn. Für was hält er mich? Mir ist durchaus klar, dass die beiden allem Anschein nach eine recht offene Beziehung führen. Aber das ist nichts für mich und ich will schon gar nicht in irgendetwas hineingezogen werden.
»Du solltest dich von mir fernhalten«, raunt er. Seine Lippen sind mir so nah, ihr Anblick sagte das komplette Gegenteil der Worte aus, die sie formen. Heiß und kalt sind die Schauer, die mir über den Rücken laufen. Seine Augen sind so dunkel, verheißungsvoll und verführerisch. Ich schlucke schwer, kann kaum mehr atmen. In mir tobt ein Gemisch aus Wut und Verletzung, und da ist noch etwas anderes. Etwas, das seine Nähe zu mir auslöst, etwas, das meinen Verstand ausschaltet und etwas in mir hervorholt, das nicht da sein dürfte. Unsere Blicke sind miteinander verflochten, können sich nicht lösen, als wären sie eins. Meine Atmung geht stoßweise, und in diesem Moment streckt sich meine Hand wie von selbst aus. Ganz langsam wandert sie in Aydens Richtung, verharrt kurz vor ihrem Ziel in der Luft und legt sich dann auf seine Wange. Ich kann sehen, wie sich seine Augen weiten, erkenne das Unverständnis darin, spüre, wie er den Atem anhält.
»Ich weiß«, flüstere ich. Meine Lippen sind den seinen so nah. Ich müsste mich nur ein kleines Stück bewegen und könnte sie spüren. Ich frage mich, wie es sich anfühlen würde. Wie schmecken seine Lippen? Seine Zunge? Wie ist es, von ihm gehalten und geliebt zu werden? Mein Blut kocht, ich bekomme kaum mehr Luft. Vicky weiß das alles. Und ich werde mich niemals zwischen sie drängen.
Es fällt mir unendlich schwer, aber ich schaffe es, die Hand von seiner Haut zu lösen. Diese Bewegung, scheint auch ihn wachzurütteln. Er tritt bloß einen winzig kleinen Schritt von mir fort, aber es fühlt sich an, als würde sich ein Krater zwischen uns auftun. Was auch immer das gerade war, dieses elektrisierende Knistern, es ist verschwunden.
Ayden nickt nur und antwortet auf meine letzten Worte: »Gut, das ist sicher das Beste.« Er klingt dabei so abgeklärt und ruhig, als hätten wir gerade eine ganz normale Unterhaltung geführt. Ich begreife das alles nicht, und es sollte mir auch gar nicht wichtig sein. In jedem Fall sollte es mir nicht derart zusetzen.
Ayden sieht mich ein letztes Mal an und sagt: »Ich hoffe, du hast eine gute Nacht.« Damit dreht er sich um, öffnet die Tür und schließt sie hinter sich.
Ich bleibe einen Moment fassungslos und schwer atmend an der Wand stehen. Ayden ist nicht gut für mich, das habe ich bereits zur Genüge festgestellt, und nun hat er es mir auch noch einmal deutlich gesagt. Nur leider haben seine Berührungen eine ganz andere Sprache gesprochen. Noch klingen sie wie ein süßer Gesang auf meiner Haut nach und ich wünschte, ich könnte ihnen ewig lauschen.

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Schicksalsgöttinnen: Band 2 erhältlich

Heute ist es soweit! Der zweite Band der Schicksalsreihe – Schicksalsgöttinnen ist ab sofort auf Amazon als Ebook, Taschenbuch und bei Kindle Unlimited verfügbar. Ich freue mich riesig auf eure Rückmeldungen, Posts und Nachrichten. Wie immer wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr euch kurz für eine Rezension auf Amazon Zeit nehmen würdet. Und nun wünsche ich euch viele spannende, gefühlvolle und mitreißende Lesestunden mit Schicksalsgöttinnen.

Portrait of the beautiful lady in low key

Leseprobe 3

Morgen ist es soweit: Die Veröffentlichung von Schicksalsgöttinnen. Ich weiß, dass viele von euch bereits sehnsüchtig dem Termin entgegen fiebern und mir geht es nicht anders. Es ist immer wahnsinnig aufregend, ein neues Buch rauszubringen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig und kann es kaum mehr erwarten. :) Zur Einstimmung habe ich heute nochmal eine extra große Leseprobe. Ich wünsche euch viel Spaß.

Ich biege in den Flur ab, der zur Linken nach draußen führt und zur Rechten in den Internatsbereich. Und genau dort nehme ich eine Bewegung wahr. Instinktiv ziehe ich mich ein Stück hinter der Wand zurück und luge um die Ecke.

Ayden tritt in den Flur. Er ist dunkel gekleidet, trägt einen langen, schwarzen Mantel, der ihn irgendwie bedrohlich erscheinen lässt. Snow folgt ihm auf dem Fuße, aber die beiden sind nicht alleine. Ein junger Mann, den ich auf Mitte zwanzig schätze, und eine Frau in ähnlichem Alter begleiten ihn. Auch sie führen ihre Schlüsselgeister mit sich: eine riesige, graue Schlange und einen Raben.

»Endlich mal wieder rauskommen und ein bisschen Action«, freut sich der junge Mann und zwinkert der großen Schlange neben sich zu. »Du freust dich auch schon, oder, Grey?« Die Schlange hebt den Kopf und gibt ein leises Zischen von sich. Der Kerl ist groß gewachsen und ziemlich durchtrainiert, was man besonders deutlich an seinen Armen erkennen kann, die in einer Weste stecken und unbekleidet sind. So hat man freien Blick auf die Muskeln, aber vor allem auch auf die zahlreichen Tattoos. Sein Haar ist kurz, blond und wirkt in dem fahlen Licht fast silbern. Er hat mehrere Piercings in den Ohren, ebenso welche in der Nase und Lippe.

»Mach einfach nur keine Spielchen und lass uns die Sache gut und schnell hinter uns bringen«, mischt sich die Frau ein, die einen äußerst ernsthaften Eindruck macht. Ihre dunklen Augen ruhen auf dem gepiercten Kerl und schenken ihm einen mahnenden Blick, doch den scheint das nur wenig zu interessieren.

»Sei nicht immer so ernst, Vicky. Ein bisschen Spaß muss doch sein, kommt ohnehin selten genug vor.«

»Ich warne dich«, zischt sie ihn an. »Wehe, du ziehst mich da in irgendeinen Mist rein.« Selbst mit dieser zornigen Miene muss ich ihr zugestehen, dass sie äußerst gut aussieht. Langes, leicht gewelltes Haar fällt ihr auf den Rücken, das aussieht, als wäre es gerade von einem Stylisten perfekt in Form gebracht worden. Ihre Figur ist wohl das, was dem gängigen Schönheitsideal in absoluter Perfektion entspricht. Lange Beine, die in einer eng anliegenden, schwarzen Hose stecken. Dazu eine wundervoll schmale Taille und ein flacher Bauch, wie man nur zu gut unter dem engen Shirt erkennen kann.

Der Rabe neben ihr krächzt laut auf, als wolle er den Typen mit den Tattoos ebenfalls zur Räson bringen, doch der winkt nur ab. »Lass gut sein, Raven. Nicht du auch noch. Ich habs schon verstanden.«

Raven. Ich verdrehe leicht die Augen. Da hat es sich aber jemand mit der Namensfindung leicht gemacht.

»Und willst du mir auch noch einen Vortrag halten, oder bist wenigstens du meiner Meinung?«, will der junge Mann von Ayden wissen, der bislang geschwiegen hat.

Er schenkt ihm nur einen kurzen Seitenblick und seufzt: »Was soll ich dazu bitte sagen? Du machst doch ohnehin nur das, was dir gerade in den Kopf kommt.«

Der Kerl nickt bekräftigend. »Und bislang bin ich damit ganz gut gefahren.«

»Oh Mann, Ty«, seufzt Vicky und schüttelt den Kopf. »Irgendwann wird dich diese Einstellung noch in echte Schwierigkeiten bringen.«

Der Angesprochene lacht nur und legt ihr den Arm um die Schultern. »Dafür habe ich ja euch an meiner Seite.«

Sie macht sich schnell von ihm los und schüttelt den Kopf. »Bilde dir mal besser nichts ein. Wir sind ganz bestimmt nicht deine Babysitter.«

Mit diesen Worten erreichen sie das Ende des Flurs und verlassen das Schulgebäude. Ich bleibe noch einen Moment mit donnerndem Herzen stehen und denke über das eben Gehörte nach. Wer waren die beiden und warum sind sie mit Ayden unterwegs? Und die drängendste Frage: Was haben sie vor?

Ich brauche nur wenige Augenblicke, dann habe ich mich entschieden und haste den dreien hinterher. Vor der Tür verschwinden ihre Schlüsselgeister. Snow und die Schlange schmiegen sich in die Schatten, während der Rabe sich einen Platz in einem nahen Baum sucht. Ich blicke mich nach Yoru um, weiß instinktiv sofort, wo ich ihn finde. Er sitzt unter einem Bulli und sieht mich aufmerksam an. Anscheinend spürt er, dass wir eine Aufgabe haben. Gemeinsam folgen wir den anderen. Es ist nicht ganz einfach, denn ich muss einen großen Abstand wahren, um sicherzugehen, nicht von ihnen entdeckt zu werden. Mehrere Male verliere ich sie fast aus den Augen, aber zum Glück schaffe ich es dann doch, sie wiederzufinden.

Die drei folgen zunächst der Hauptstraße, bevor sie einige Abzweigungen nehmen und in kleinen Seitenstraßen verschwinden. Mir begegnen immer weniger Menschen, sodass es für mich stetig schwieriger wird, ungesehen zu bleiben. Ich muss mich weiter zurückfallen lassen, hinter Häuserecken, Autos oder sogar Mülltonnen Schutz suchen. Yoru hilft mir dabei, immerhin ist er ein Meister im Verstecken und findet sofort gute Plätze.

Irgendwann kann ich sie nicht mehr sehen und zische wütend vor mich hin. Mit Yoru im Schlepptau gehe ich vorsichtig weiter und versuche, sie wiederzufinden. Aber da sind nur zwei leere Gassen und einige dunkle Hinterhöfe. Sofort kriecht mir eine kalte Gänsehaut den Rücken hinab. Seitdem ich weiß, dass sich an so einsam gelegenen Orten Noctu herumtreiben, versuche ich, dunkle Ecken zu meiden. Doch nun bin ich mitten drin. Am besten wäre es, ich würde sofort kehrtmachen und den Heimweg antreten, anstatt mich noch weiter von den belebten Straßen zu entfernen. Aber ich kann einfach nicht. Irgendetwas zieht mich voran: Ich bin zu neugierig. Ich will unbedingt herausfinden, was die drei vorhaben.

Und so setze ich meinen Weg fort und trete in einen verlassenen Hinterhof, wo sich schmutziges Wasser in dem aufgesprungenen Asphalt sammelt. Eine Feuerleiter hängt schief und rostig an dem Haus neben mir, Mülltonnen stehen herum und verbreiten ihren Gestank. Das ist das Einzige, das ich entdecken kann. Es ist niemand hier. Ich schaue zu Yoru, der plötzlich ganz aufgeregt wirkt, und in diesem Moment höre ich das Zischen von Zaubern. Ich drehe mich sofort um, aber da ist nichts. Gebrüll erklingt, weitere Kampfgeräusche, mein Herz donnert in meiner Brust. Der Lärm kommt ganz aus der Nähe. Ich eile zurück auf die Straße und muss nicht lange suchen, um den Ort zu entdecken. Nur zwei Häuser weiter ist noch ein Hinterhof, und von dort kommen die Lichter.

Ich schleiche mich zur Ecke und spähe hinein: Mehrere Noctu stehen in der Gasse und greifen Ayden, Ty und Vicky an. Im Gegensatz zu den Noctu, die ich bisher gesehen habe, ähneln diese nicht allesamt Tieren. Einige weisen menschliche Züge auf: verkrümmte Körper, kahle Schädel, aus denen schiefstehende, schwarze Augen herausstarren. Ihre Haut wirkt ledern, ihre Bewegungen sind abgehackt und dennoch ziemlich schnell.

Schwarze Zauber stoben umher, rasen wie eine undurchdringliche Wand auf die drei zu. Vickys schwarzer Rabe hat sich in einen riesigen Raubvogel verwandelt, dessen Schwingen von einem leuchtend blauen Schimmern umgeben sind. Er öffnet den Schnabel und eisblaue Wellen schießen daraus hervor, treffen zwei Noctu, die sofort von einem Eisblock umschlossen werden.

Ty lässt seine Schlange angreifen, die sich in den Asphalt gräbt, kurz darauf an anderer Stelle wieder hervorschießt und dabei riesige Steinbrocken aus dem Boden reißt. Gemeinsam zerschmettern sie die eingefrorenen Noctu, die in tausend Stücke zerspringen.

Aydens Wolf Snow hat sich ebenfalls verwandelt. Er ist von dunklem Rauch umhüllt, der Funken sprüht. Immer wieder züngeln kleine Flammen darin umher, die verraten, wie angespannt der Wolf ist. Seine roten Augen funkeln, als er eine Flammenkugel ausspeit und die vorderen Noctu von einer Wand aus Feuer erfasst werden. Einige von ihnen gehen zu Boden, andere versuchen, sich mit ihren Zaubern zu schützen, rufen eine schwarze Masse, die sich um sie legt und die Flammen ersticken.

Atemlos schaue ich dem Kampf zu und weiß nicht, was ich tun soll. Ein Teil von mir will ihnen helfen, ein anderer mahnt mich dringend, mich bedeckt zu halten und mich unter keinen Umständen zu zeigen.

Die Gruppe verändert langsam ihre Position und ich bemerke, dass ich in meinem Versteck nicht mehr allzu sicher bin. Also springe ich schnell hervor und schleiche zu einem großen Müllcontainer, hinter dem ich Schutz suche. Ich bin nun deutlich näher am Geschehen, aber wenigstens kann man mich hier nicht sehen.

Ayden rennt gemeinsam mit Snow auf zwei Noctu zu. Er ballt die Faust und Flammen züngeln zwischen seinen Fingern hervor. Während Snow einigen Attacken der Noctu ausweicht, läuft Ayden unbeirrt weiter zu seinem Gegner. Dieser hebt den Arm, der sich zu einer dunklen Rauchsäule verlängert und auf Ayden zuschießt, doch er taucht darunter hinweg, steht sogleich wieder auf den Beinen und rammt dem Noctu die brennende Faust in den Bauch. Als er die Hand zurückzieht, ist ein klaffendes Loch zu sehen, in dessen Mitte Flammen lodern, die sich immer weiter ausbreiten. Der Noctu öffnet den Mund zum Schrei und startet einen letzten verzweifelten Angriff. Aber Snow ist zur Stelle, wirft sich dazwischen und fängt die Attacke mit einem Feuerball ab. Der Noctu zerfließt langsam zu einer schwarzen, zähen Masse, die als dunkle Pfütze am Boden zurückbleibt.

Auch Ty und Vicky greifen erneut an, doch die restlichen Noctu setzen nun alles daran, ihre Feinde auszuschalten. Zauber schießen umher, krachen durch die Luft und lassen die Erde beben.

»Endlich kann man sich mal wieder richtig austoben«, freut sich Ty und reißt den Arm empor. Gleichzeitig erhebt sich eine riesige Erdsäule aus dem Boden und spießt einen Noctu auf. Der Anblick jagt mir einen Schauder über den Rücken und ich muss kurz die Augen schließen.

Als ich sie wieder öffne, rennt Ayden auf den nächsten Angreifer zu. Der wirft ihm eine dunkle, wabernde Kugel entgegen, die Ayden mit seiner Hand abfängt und beiseitestößt. Unkontrolliert rast sie durch die Luft – genau auf mich zu. Ich muss mich auf den Boden werfen und gebe einen entsetzten Schrei von mir. Das genügt bereits, um die Aufmerksamkeit aller auf mich zu ziehen. Die Noctu sehen in meine Richtung und beginnen zu knurren. Auch Ty, Ayden und Vicky entgeht meine Anwesenheit nicht.

»Oh, wen haben wir denn da?«, fragt Ty amüsiert. »Publikum. Da macht so ein Kampf doch gleich noch mehr Spaß.«

»Du hast sie doch nicht mehr alle«, gibt Vicky zurück und tötet einen weiteren Noctu, indem ihr Rabe eine riesige Welle auf ihn niedergehen lässt, ihn von den Füßen reißt und ihn mit einem Regen aus Eiskristallen in Stücke zerfetzt.

Von Ayden erhalte ich nur einen seiner alles vernichtenden Blicke, der mehr sagt, als tausend Worte es könnten. Ich bin hier nicht erwünscht, störe und mache ihn mit meiner Anwesenheit gerade ziemlich wütend.

Er schaltet mit einem Feuerball den letzten Noctu aus, der ebenfalls zu einer schwarzen Masse zerläuft. Während sich alle Blicke auf mich richten, nehmen die Schlüsselgeister ihre gewohnten Formen wieder an. In den einzelnen Gesichtern spiegeln sich ganz deutlich die unterschiedlichsten Gefühle. Ayden ist weiterhin verdammt sauer, Vicky offenbar vor allem genervt und Ty – tja, der kommt mit strahlender Miene auf mich zu und mustert mich, als sei ich ein interessantes Tier.

»Hey, du hast also auch einen Schlüsselgeist«, stellt er mit einem Blick auf Yoru fest. »Dann gehörst du also zu uns. Gut, sonst hätte ich dich jetzt leider töten müssen.« Ich reiße überrascht die Augen auf, doch Ty lacht nur amüsiert. Er wischt mit der Hand durch die Luft und klopft sich auf die Schenkel. »Das war ein Scherz. Ich hab nur Spaß gemacht. Denkst du wirklich, wir würden Menschen umbringen?«

Er streckt mir die Hand entgegen, um mir aufzuhelfen, denn noch immer liege ich auf dem Boden. »Du bist sicher noch Schülerin, oder? Dann musst du auf die Siena Hartford gehen.«

Ich reiche ihm meine Hand und lasse mir aufhelfen. »Ähm, ja«, sage ich und kann nicht verhindern, dass meine Augen zu Ayden wandern. Meine Güte, er sieht aus, als würde er gleich explodieren.

»Was machst du hier?«, will er wissen. »Musst du ständig dort auftauchen, wo du nichts verloren hast?!«

»Ich habe euch zufällig gesehen, und ihr habt den Eindruck gemacht, als hättet ihr irgendetwas vor. Mit dieser Vermutung hatte ich offensichtlich recht.«

»Du steckst wohl gerne deine Nase in Dinge, die dich nichts angehen«, stellt Vicky fest und mustert mich mit verschränkten Armen.

»Also, ich finde sie ganz süß«, sagt Ty und schenkt mir wieder diesen Blick, als sei ich ein niedliches Haustier, von dem er noch nicht genau weiß, ob es draußen in den Stall soll oder ein Katzenklo braucht.

»Was macht ihr hier eigentlich?«, will ich wissen. »Warum habt ihr die Noctu angelockt?« Denn ich bin mir sicher, dass diese Wesen nicht ohne Grund aufgetaucht sind.

»Das war eine Aktion, die vom Direktor und dem Rat angeordnet worden ist. Mehr brauchst du nicht zu wissen«, knurrt Ayden.

Ich hebe die Brauen, denn damit habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Das alles kann dann aber auch nur eines bedeuten. »Ihr zwei seid ebenfalls Hunter.«

Ty grinst. »Tylor Waydon, seit zwei Jahren Hunter. Bevor Ayden in unsere Reihen kam, war ich der Jüngste, der in diesen elitären Kreis aufgenommen worden ist.« Er nickt in Vickys Richtung. »Und das ist Victoria Smith. Sie ist schon etwas länger dabei.«

Ich nicke ihr zu, aber ihr Ausdruck ist immer noch finster, ganz zu schweigen von Aydens. Ich habe noch so viele Fragen, aber jetzt scheint wirklich nicht der richtige Zeitpunkt zu sein. »Ähm, okay, war nett, euch kennengelernt zu haben. Dann mache ich mich mal auf den Heimweg.«

Aber noch ehe ich auch nur drei Schritte gemacht habe, ist Ayden bei mir, packt mich am Arm und zieht mich mit sich.

»Hey, kennst du sie etwa? Ist sie eine Freundin von dir?«, ruft Ty uns nach.

»Ganz sicher nicht«, knurrt Ayden zurück. Seine Worte versetzen mir einen leichten Stich, obwohl ich natürlich weiß, dass sie nur allzu wahr sind. »Sie ist ein Mädchen, das einfach nicht hier sein sollte.«

»Ah!«, höre ich Ty noch rufen. »Sag bloß, das ist diese Teresa, die dein Paps trotz deiner Einschätzung an die Schule geholt hat. Ganz schön süß, muss ich sagen. An deiner Stelle hätte ich mir das noch mal überlegt.« Ich höre das Lächeln in seiner Stimme, aber Ayden gibt ihm keine Antwort.

Er zieht mich von den beiden fort und stößt mich unsanft gegen eine Hauswand. Sie ist feucht und unangenehm kalt. Aydens Blick schneidet sich in meinen. Er stemmt die Hände neben meinen Kopf, sodass ich ihm nicht entkommen kann. Seine Augen funkeln vor Wut, sie wirken wie ein Hurrikan, der gleich über mich hinwegfegen und alles mit sich reißen wird. Unaufhaltsam und gnadenlos.

»Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Hast du überhaupt deinen Kopf eingeschaltet? Weißt du eigentlich, in welche Gefahr du dich da begeben hast?« Er lässt mir gar nicht die Chance, zu antworten. »Nein, natürlich nicht. Du hast nur deine dumme Neugier befriedigen wollen und keinen Moment daran gedacht, was du da eigentlich machst. Und genau darum gehörst du nicht auf diese Schule. Entweder du ziehst die Gefahr an oder stürzt dich selbst blindlings hinein.«

»Ich dachte, du hättest deine Meinung inzwischen etwas revidiert. Immerhin wäre ich wohl ohne deine Hilfe schon gar nicht mehr an dieser Schule.«

»Ohne meine Hilfe wärst du längst tot.«

»Danke für dein unermüdliches Vertrauen«, erwidere ich leise.

Er ist mir so nahe, dass ich die Wärme seines Körpers spüren kann. Auch wenn ich es nicht möchte, es fühlt sich gut an, vertraut, verheißungsvoll. Dazu noch diese unglaublich grünen Augen, die solch eine Macht über mich haben – gerade bringen sie mal wieder meine komplette Gefühlswelt zum Einsturz. Und schüren meine Wut!

»Ich bin nicht so schwach, wie du denkst«, gifte ich zurück. »Mittlerweile habe ich viel dazugelernt. Und ich habe bewiesen, dass ich nicht so leicht zu töten bin.«

Ayden seufzt verächtlich. »Oh ja, und vor allem hast du klargestellt, dass du Gefahr magisch anziehst und für unsere Feinde ein leichtes Opfer bist. Muss ich dich noch mal an Noah erinnern? Ich kann noch immer nicht glauben, wie nah er dir war.«

Seine rechte Hand wandert näher an mein Gesicht heran. Mein Herz klopft, als wollte es gleich zerspringen.

»Wie kann man nur so dumm sein?!«

»Das hätte jedem passieren können«, presse ich zwischen den Lippen hervor. »Wenn dein Vater oder die Lehrer oder du mich besser informiert hättet … Nichts erklärt man mir!« Mir bleiben die Worte im Hals stecken, ich kann nicht mehr denken, sehe nur diese tiefgrünen Augen vor mir und diese unvergleichlichen Lippen, die zu zornigen Strichen verzogen sind. Sein Atem streicht über mein Gesicht und ich bekomme eine Gänsehaut.

»Komm uns einfach nicht mehr in die Quere«, sagt er und reißt sich von mir los. Er wendet sich ab und lässt mich stehen. Einen Moment sehe ich ihm hinterher, dann gebe ich meinen wackeligen Beinen nach und lasse mich auf den Boden sinken. In was bin ich da nur wieder hineingeraten?

Textschnipsel 2

Heute gibt es den nächsten Textschnipsel. *-* Wie ihr seht, hat es Teresa auch in diesem Band nicht immer einfach. Na, was meint ihr, wer ist in der Not für Teresa zur Stelle?
Portrait of the beautiful lady in low key

Klappentext und Vorbestellung

Ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende und nicht ganz so schwüles Wetter, wie es uns hier gerade zu schaffen macht. Bei uns ist heute ein aufregender Tag. Es sind wieder ein paar Wachtelküken am Schlüpfen und zudem kann ich euch heute den Klappentext zu "Schicksalsgöttinnen" vorstellen.

Wer mir schon länger folgt, weiß mittlerweile, dass ich das Schreiben von Klappentexten überhaupt nicht mag. Ich finde es immer unheimlich schwierig, nicht zu viel zu verraten und gleichzeitig Spannung zu erzeugen. Zudem kann ich mich einfach nicht kurzfassen. Aber letztendlich habe ich doch etwas zu Papier gebracht und ich bin sehr zufrieden damit. Ich hoffe, ihr auch. ;)

Zudem habe ich noch eine tolle Nachricht für euch: Das Ebook von "Schicksalsgöttinnen" ist ab sofort auf Amazon vorbestellbar. Hier der Link

Und nun der versprochene Klappentext:

»Es ist doch schön hier», sagt Noah. »Wir haben eine tolle Aussicht auf die Bucht, die Stadt, können dem Trubel ein wenig entgehen und ganz unter uns sein.«
»Ja, weil ich keine Möglichkeit habe, zu entkommen. Darum geht es doch, habe ich recht?«
Noah legt den Kopf leicht schief und grinst. »Vielleicht ein bisschen.« Dieses Lachen ist nicht auszuhalten und ich würde ihm am liebsten eine verpassen.

Teresa kennt nun Noahs wahres Gesicht und will sich um jeden Preis von ihm fernhalten. Leider ist das gar nicht so einfach, denn er hat ganz andere Pläne und wird sich nicht so leicht abschütteln lassen.
Kaum beginnt Teresa ihm wieder etwas Vertrauen entgegenzubringen, offenbart er eine noch dunklere Seite von sich. Und genau dieser wird Teresa sich schon bald sehr nahe fühlen. Denn das Grauen bekommt ein neues Gesicht: Das Schicksal liegt nicht in der Hand der Menschen, sondern in der von Göttinnen. Und diese könnten nicht grausamer sein.

 

2. Leseprobe

Zum Wochenende gibt es heute eine weitere Leseprobe. Ich mag die Szene sehr gerne und bin gespannt, was ihr dazu sagen werdet. Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.

Ich lasse mir in der Umkleidekabine viel Zeit, dusche ausgiebig und ziehe mich an. Als ich fertig bin, sind alle anderen längst gegangen. Ich gehe hinaus und zucke vor Schreck zusammen, als ich eine Gestalt an der Wand mir gegenüber stehen sehe. Ich bin gerade wirklich nicht in der Stimmung, mich mit Ayden zu befassen. Meine Laune erreicht einen neuen Tiefpunkt. Ohne ein Wort gehe ich an ihm vorbei, bleibe aber stehen, als ich seine Stimme hinter mir höre, die überraschend sanft klingt.

»Wie geht es dir?«

»Seit wann interessiert dich das?«

Er verdreht die Augen und stößt sich von der Wand ab. »Du hältst dich wirklich gut.«

Diese Feststellung kommt unerwartet, immerhin stammt sie von Ayden.

»Findest du?«, frage ich in sarkastischem Tonfall. »In Anbetracht dessen, dass ich jeden Tag von Amber und Monica vorgeführt werde und selbst die Lehrer daran nichts Falsches sehen, stimmt das wohl. Aber es ändert leider nichts.«

»Auf jeden Fall lernst du dabei nicht viel«, stellt er fest. In diesem Punkt sind wir uns also zumindest einig.

Dennoch kann ich mir eine weitere Spitze nicht verkneifen. »Im Grunde müsste dich das doch freuen. Die Chancen stehen nicht allzu schlecht, dass ich bald von der Schule geworfen werde.«

Bislang habe ich es vermieden, direkt in Aydens Gesicht zu sehen, aber meine Wut ist momentan so groß, dass ich mir sicher bin, seinen tiefgrünen Augen und ihrer magischen Anziehungskraft standhalten zu können. Nur kurz geht mir durch den Kopf, wie wunderschön sie sind und dass sie mich an schillernde Smaragde erinnern. Auch sein Gesicht ist makellos und könnte das eines ziemlich gut bezahlten Models sein. Allerdings weiß ich, was für ein Mensch hinter dieser anziehenden Fassade steckt.

»Inzwischen habe ich durchaus festgestellt, dass ich dich nicht so schnell loswerde und du ziemlichen Kampfgeist besitzt.«

»Wenn das ein Lob sein soll, musst du echt noch üben. Und warum sagst du das überhaupt?« Aber die Antwort kann ich mir selbst geben. »Verstehe. Dir schwebt noch immer die Sache mit Noah im Kopf herum, habe ich recht? Du willst versuchen, mich auf deine Seite zu ziehen, damit ich dir vielleicht doch noch irgendetwas Hilfreiches über ihn verrate.« Ich schaue ihn noch einmal an, sehe, wie sich seine Augen weiten, und merke deutlich, dass ich den Punkt getroffen habe. »Du bist echt widerlich«, werfe ich ihm entgegen, wende mich ab und lasse ihn einfach stehen. Doch mit nur drei schnellen Schritten hat er mich eingeholt, packt mich am Arm und dreht mich zu sich herum. Ich bin so überrascht, dass ich für einen Moment nichts sagen kann.

Auf einmal liege ich direkt in seinem Arm, sein Blick sprüht Funken und ich spüre die Anspannung in seinem gesamten Körper.

»Du hast das in den völlig falschen Hals bekommen. Ich würde dich niemals in Gefahr bringen, ist dir das nicht klar? Und ohnehin habe ich diesen Gedanken mit Noah längst verworfen. Du willst nicht? Das ist in Ordnung für mich.«

Ich kann kaum glauben, was ich da höre, und brauche eine Weile, bis ich die Worte verarbeitet habe. Hinzu kommt diese ganze Situation: Aydens rechte Hand liegt auf meinem Arm, seine andere ist um meine Hüfte geschlungen. Ich habe das Gefühl, seine Finger durch meine Kleidung hindurch auf meiner Haut brennen zu fühlen. Dazu sein Blick, der leider noch nicht seine ganze Macht über mich verloren zu haben scheint. Dieses tiefe Grün, diese Unergründlichkeit, die Stärke darin – es ist wie ein gewaltiger Sturm, der mich mitreißt. Auf jeden Fall sind wir uns nahe – viel zu nahe. Es ist ein Umstand, mit dem ich gerade nicht klarkomme.

»Ich wollte nur, dass du das weißt«, sagt er und sein Atem streichelt verheißungsvoll über meine Haut. Dann lässt er mich los.

Ich starre ihn fassungslos an. »War … das gerade etwa eine Entschuldigung?«

Ein Lächeln erscheint auf seinen Lippen und er schüttelt belustigt den Kopf. »Nenn es, wie du willst. Ich wollte dir das einfach nur gesagt haben.«

»Es wäre ja auch schrecklich, wenn du eingestehen müsstest, einen Fehler gemacht zu haben.«

»Du bist echt starrsinnig«, meint er, aber sein Tonfall klingt alles andere als scharf. »Du weißt jetzt jedenfalls, dass ich dich nicht für irgendetwas benutzen will, und es ist hoffentlich alles geklärt. Ich werde meinem Vater auch nichts von der Sache mit Noah erzählen. Ich werde es für mich behalten, darauf kannst du dich verlassen.«

Ich nicke und weiß gerade überhaupt nicht, wie ich dieses Gespräch einordnen soll. Mein Herz macht ein paar schnelle Sprünge, denn seine Worte bedeuten mir unendlich viel. »Sag nun bloß nicht, du hast dich damit abgefunden, dass ich auf der Schule bleibe.«

»So weit würde ich in der Tat nicht gehen«, stichelt er, doch das Funkeln in seinen Augen nimmt seinen Worten die Härte. »Offenbar wird man dich nicht so leicht los.« Damit dreht er sich um und geht den Flur entlang. Bevor er in den Internatstrakt wechselt, ruft er mir ein »Lass dich nicht unterkriegen!« nach.

Ich starre ihm sprachlos hinterher. Ein Friedensangebot von Ayden? Ich kann es nicht fassen. Aber mein Herz macht ein paar erleichterte Hüpfer. Es wäre schön, wenn ich wenigstens eine Person weniger gegen mich hätte.

Bildquelle: Pixabay