Leseprobe Feiy – Im Rausch der Magie

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Sonntag. Für viele von euch, beginnt nun wahrscheinlich die erste Arbeitswoche im neuen Jahr. Um euch den Start in die neue Woche ein wenig zu versüßen, gibt es heute Abend noch die erste Leseprobe aus Feiy – Im Rausch der Magie. Die Geschichte schließt nahtlos an den letzten Band an, ihr werdet also gleich erfahren, wie es mit Alice, nach dem abrupten Abschied von Teyls, weitergeht. Das Buch ist ab dem 15.01.2019 erhältlich, ihr könnt es auf Amazon aber auch schon jetzt vorbestellen. Habt viel Spaß beim Lesen. <3

Prolog

Mylo hielt sich den schmerzenden Arm, verzog das Gesicht und versuchte langsam, die Schulter zu bewegen, was ihn zischend nach Luft schnappen ließ. Seine Verletzungen waren noch immer nicht komplett verheilt, was seine Wut nur weiter anstachelte und die letzten Erlebnisse erneut vor seinen Augen heraufbeschwor.

Es war unfassbar knapp gewesen, dass er dem Hinterhalt entkommen war. Er hatte dem Informanten Glauben geschenkt, der ihm mehr über den roten Magier hatte erzählen wollen, und es bitter büßen müssen. Nur knapp war er der Explosion entkommen, die ihm fast das Leben gekostet hätte. Immer wieder sah er die Bilder der Flammen vor sich, die ihm entgegenschlugen. Er spürte die Hitze förmlich auf seiner Haut, die versuchte, ihn zu verschlingen. Sein Herz donnerte in seiner Brust und er strich sich erschöpft durch sein Gesicht. Er musste sich zusammenreißen. Gerade jetzt durfte er sich keine Schwäche erlauben. Er musste einen klaren Kopf bewahren und seine Schritte sorgfältig planen, bevor ihm der rote Magier zuvorkommen konnte.

Mylo setzte sich an den kleinen Schreibtisch, dessen Holz etliche Schrammen und Flecken aufwies. Dieses Hotel war mehr eine Absteige, ohne jeglichen Komfort oder gar Luxus. Es befand sich inmitten von Harinsgrad, einer Stadt, die vor allem für ihre Gewürze und Weine bekannt war. Mylo hatte sich zum einen aufgrund der zentralen Lage für diese Unterkunft entschieden. Zum anderen, weil die Angestellten dieses Hauses sich nicht für die Gäste interessierten. Genau das, was er gerade brauchte.

Von seinem Zimmer hatte Mylo einen guten Blick auf den einzigen Eingang zum Hotel, sodass er sich etwas sicherer fühlte, auch wenn ihm klar war, dass er nicht ununterbrochen Wache halten konnte.

Allmählich wurde es Zeit, dass er etwas unternahm. Er hatte sich lange den Kopf darüber zerbrochen, doch inzwischen sah er keine andere Möglichkeit mehr. Er musste schnell handeln und konnte unmöglich den roten Magier ausspionieren, um eine Schwachstelle zu finden. Es war zu gefährlich, in dessen Nähe zu kommen. Wenn Mylo sich das nächste Mal in das Umfeld seines Gegners wagen würde, dann bewaffnet und mit nur einer Absicht.

Er griff zu Feder, Tinte und Papier, die er mitgebracht hatte, und setzte die Briefe an mehrere seiner Informanten auf. Er bat sie darin, nach einer ganz bestimmten Waffe Ausschau zu halten. Diese, so war er sich sicher, war seine einzige Chance. Denn sie würde dem Magier den Untergang bringen.

Kapitel 1

Noch immer hielt Allac Alices Arm fest. Sie spürte die Wärme seiner Hand, die Kraft, die darin ruhte, und die Unnachgiebigkeit. Die andere hatte er mittlerweile an ihren Hinterkopf gelegt und strich verheißungsvoll durch ihr Haar. Alices Herz bebte in ihrer Brust und eine Träne drang aus ihrem Augenwinkel. Nach genau diesem Moment hatte sie sich so lange gesehnt. Nach Allacs Nähe, seinen Händen und seinen Lippen. Nun lagen sie auf ihr, küssten sie voller Leidenschaft und so hungrig, als wolle er mit aller Kraft jeden Gedanken in ihrem Kopf zum Erliegen bringen. Doch genau das gelang ihm nicht. Sie hatte nur ein Bild vor Augen und das war das von Teyls. Sie sah, wie er sie anschaute, dieses neckische Lächeln auf den Lippen trug, und sogleich wurde ihr eng ums Herz. Sie hörte seine Stimme, die ihren Namen wisperte, und ihr war, als könnte sie seine Hände noch auf ihrer Haut fühlen. Mit aller Kraft versuchte sie, die Gedanken an ihn zu vertreiben, doch alles in ihr sehnte sich nach ihm und schrie sie an, ihm nachzueilen. Doch ein Teil in ihr wusste, dass es längst zu spät war. Sie würde ihn nicht mehr einholen und Allac würde sie auch nicht gehen lassen.

Noch immer ruhten dessen Lippen auf den ihren, spielten mit ihr und versuchten, ein Feuer in ihr wiederzubeleben, das längst erloschen war. Langsam legte Alice ihre Hände auf Allacs Brust. Noch immer wirbelten die Gedanken wild in ihrem Kopf umher, aber ihr war auch bewusst, dass sie endlich etwas tun musste. Vorsichtig und doch bestimmt schob sie ihn ein Stück von sich. Ihre Lippen lösten sich, doch Allac suchte weiterhin ihre Nähe und ließ sie nicht los.

»Willst du ihm wirklich nachgehen?«, fragte er schließlich. Es war nicht überraschend, dass er sofort erkannte, was ihr durch den Kopf ging. Seine Augen waren von seinen langen Wimpern umrahmt, sodass sein dunkler Blick noch weiter an Intensität gewann.

Alice biss sich auf die Unterlippe. Noch immer war ihr, als könnte sie Allacs Kuss darauf spüren, und allein der Gedanke daran schnitt ihr ins Herz. Warum nur war sie nicht in der Lage seine Gefühle zu erwidern? Dabei hatte sie sich doch genau das so lange Zeit gewünscht. Aber selbst jetzt konnte sie nur an Teyls denken. Es ließ sich nicht länger leugnen und sie musste sich eingestehen, dass sie vermutlich viel zu lange vor ihren eigenen Gefühlen davongelaufen war. Teyls bedeutete ihr etwas. Vermutlich mehr, als gut war …

»Wir brauchen ihn im Kampf gegen den roten Magier«, sagte sie und fügte leise hinzu: »Und ich brauche ihn auch.«

Sie konnte sehen, wie sich Allacs Kiefermuskeln anspannten und in seinen Augen ein Feuer aufloderte, das geradezu Funken sprühte. In seinem Gesicht standen so viele Fragen, auf die sie sich selbst keine Antwort geben konnte.

»Bist du mir deshalb aus dem Weg gegangen?« Seine Stimme klang rau, sein ganzer Körper spannte sich an.

Verdutzt schaute sie zu ihm auf. »Wovon sprichst du?«

Ein müdes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Noch immer hielt er ihre Hand und strich mit seinen Fingern sanft darüber. Es hatte etwas unglaublich Zärtliches und zugleich auch etwas sehr Verletzliches. »Ich habe mehrfach versucht, mit dir über uns zu sprechen. Ich wollte wissen, wie es um deine Gefühle bestellt ist, ob du dir eine Beziehung mit mir vorstellen könntest.« Sein Blick war so dunkel, dass Alice glaubte, sich in diesen Tiefen zu verlieren und nie wieder herauszufinden. »Nun verstehe ich wenigstens, warum du nicht mit mir darüber sprechen wolltest.«

Alice wollte schon den Kopf schütteln, aber sie hielt mitten in der Bewegung inne. War sie ihm tatsächlich aus dem Weg gegangen? Hatte sie sich davor gescheut, mit ihm zu reden, weil sie die Antwort tief in ihrem Inneren bereits gespürt hatte? Allac hatte wirklich einige Male versucht, das Gespräch auf die Frage zu lenken, wie es mit ihnen weitergehen sollte. Doch sie hatte ihn in diesen Momenten abgewehrt. Sie hatte Allac nahe sein wollen und alles andere vergessen. Vielleicht war auch das nur eine Flucht gewesen.

»Es tut mir leid«, brachte sie schließlich hervor. »Ich verstehe mich selbst gerade nicht mehr.«

Allac nickte traurig. »Er hat dich um den Finger gewickelt und dir etwas vorgespielt.«

Sie schaute erschrocken auf.

»Es ist nicht deine Schuld«, wandte er sofort ein. »Er ist eben verdammt gut darin und weiß, wie er mit anderen umgehen muss, um das zu bekommen, was er will.«

Langsam trat sie einen Schritt zurück und funkelte Allac finster an. »Und was sollte das deiner Meinung nach sein?«

»Er will verhindern, dass du ihn wieder einsperrst. Genau das hat er auch erreicht. Du hast nicht mehr vor, ihn nach Schwarzfels zurückzubringen, oder?«

Allacs Worte brannten wie Säure in ihrem Inneren. Kurz fragte sie sich, ob er recht haben könnte. War sie Teyls auf den Leim gegangen? Hatte er mit ihr gespielt?

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