Leseprobe 3

Morgen ist es soweit: Die Veröffentlichung von Schicksalsgöttinnen. Ich weiß, dass viele von euch bereits sehnsüchtig dem Termin entgegen fiebern und mir geht es nicht anders. Es ist immer wahnsinnig aufregend, ein neues Buch rauszubringen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig und kann es kaum mehr erwarten. :) Zur Einstimmung habe ich heute nochmal eine extra große Leseprobe. Ich wünsche euch viel Spaß.

Ich biege in den Flur ab, der zur Linken nach draußen führt und zur Rechten in den Internatsbereich. Und genau dort nehme ich eine Bewegung wahr. Instinktiv ziehe ich mich ein Stück hinter der Wand zurück und luge um die Ecke.

Ayden tritt in den Flur. Er ist dunkel gekleidet, trägt einen langen, schwarzen Mantel, der ihn irgendwie bedrohlich erscheinen lässt. Snow folgt ihm auf dem Fuße, aber die beiden sind nicht alleine. Ein junger Mann, den ich auf Mitte zwanzig schätze, und eine Frau in ähnlichem Alter begleiten ihn. Auch sie führen ihre Schlüsselgeister mit sich: eine riesige, graue Schlange und einen Raben.

»Endlich mal wieder rauskommen und ein bisschen Action«, freut sich der junge Mann und zwinkert der großen Schlange neben sich zu. »Du freust dich auch schon, oder, Grey?« Die Schlange hebt den Kopf und gibt ein leises Zischen von sich. Der Kerl ist groß gewachsen und ziemlich durchtrainiert, was man besonders deutlich an seinen Armen erkennen kann, die in einer Weste stecken und unbekleidet sind. So hat man freien Blick auf die Muskeln, aber vor allem auch auf die zahlreichen Tattoos. Sein Haar ist kurz, blond und wirkt in dem fahlen Licht fast silbern. Er hat mehrere Piercings in den Ohren, ebenso welche in der Nase und Lippe.

»Mach einfach nur keine Spielchen und lass uns die Sache gut und schnell hinter uns bringen«, mischt sich die Frau ein, die einen äußerst ernsthaften Eindruck macht. Ihre dunklen Augen ruhen auf dem gepiercten Kerl und schenken ihm einen mahnenden Blick, doch den scheint das nur wenig zu interessieren.

»Sei nicht immer so ernst, Vicky. Ein bisschen Spaß muss doch sein, kommt ohnehin selten genug vor.«

»Ich warne dich«, zischt sie ihn an. »Wehe, du ziehst mich da in irgendeinen Mist rein.« Selbst mit dieser zornigen Miene muss ich ihr zugestehen, dass sie äußerst gut aussieht. Langes, leicht gewelltes Haar fällt ihr auf den Rücken, das aussieht, als wäre es gerade von einem Stylisten perfekt in Form gebracht worden. Ihre Figur ist wohl das, was dem gängigen Schönheitsideal in absoluter Perfektion entspricht. Lange Beine, die in einer eng anliegenden, schwarzen Hose stecken. Dazu eine wundervoll schmale Taille und ein flacher Bauch, wie man nur zu gut unter dem engen Shirt erkennen kann.

Der Rabe neben ihr krächzt laut auf, als wolle er den Typen mit den Tattoos ebenfalls zur Räson bringen, doch der winkt nur ab. »Lass gut sein, Raven. Nicht du auch noch. Ich habs schon verstanden.«

Raven. Ich verdrehe leicht die Augen. Da hat es sich aber jemand mit der Namensfindung leicht gemacht.

»Und willst du mir auch noch einen Vortrag halten, oder bist wenigstens du meiner Meinung?«, will der junge Mann von Ayden wissen, der bislang geschwiegen hat.

Er schenkt ihm nur einen kurzen Seitenblick und seufzt: »Was soll ich dazu bitte sagen? Du machst doch ohnehin nur das, was dir gerade in den Kopf kommt.«

Der Kerl nickt bekräftigend. »Und bislang bin ich damit ganz gut gefahren.«

»Oh Mann, Ty«, seufzt Vicky und schüttelt den Kopf. »Irgendwann wird dich diese Einstellung noch in echte Schwierigkeiten bringen.«

Der Angesprochene lacht nur und legt ihr den Arm um die Schultern. »Dafür habe ich ja euch an meiner Seite.«

Sie macht sich schnell von ihm los und schüttelt den Kopf. »Bilde dir mal besser nichts ein. Wir sind ganz bestimmt nicht deine Babysitter.«

Mit diesen Worten erreichen sie das Ende des Flurs und verlassen das Schulgebäude. Ich bleibe noch einen Moment mit donnerndem Herzen stehen und denke über das eben Gehörte nach. Wer waren die beiden und warum sind sie mit Ayden unterwegs? Und die drängendste Frage: Was haben sie vor?

Ich brauche nur wenige Augenblicke, dann habe ich mich entschieden und haste den dreien hinterher. Vor der Tür verschwinden ihre Schlüsselgeister. Snow und die Schlange schmiegen sich in die Schatten, während der Rabe sich einen Platz in einem nahen Baum sucht. Ich blicke mich nach Yoru um, weiß instinktiv sofort, wo ich ihn finde. Er sitzt unter einem Bulli und sieht mich aufmerksam an. Anscheinend spürt er, dass wir eine Aufgabe haben. Gemeinsam folgen wir den anderen. Es ist nicht ganz einfach, denn ich muss einen großen Abstand wahren, um sicherzugehen, nicht von ihnen entdeckt zu werden. Mehrere Male verliere ich sie fast aus den Augen, aber zum Glück schaffe ich es dann doch, sie wiederzufinden.

Die drei folgen zunächst der Hauptstraße, bevor sie einige Abzweigungen nehmen und in kleinen Seitenstraßen verschwinden. Mir begegnen immer weniger Menschen, sodass es für mich stetig schwieriger wird, ungesehen zu bleiben. Ich muss mich weiter zurückfallen lassen, hinter Häuserecken, Autos oder sogar Mülltonnen Schutz suchen. Yoru hilft mir dabei, immerhin ist er ein Meister im Verstecken und findet sofort gute Plätze.

Irgendwann kann ich sie nicht mehr sehen und zische wütend vor mich hin. Mit Yoru im Schlepptau gehe ich vorsichtig weiter und versuche, sie wiederzufinden. Aber da sind nur zwei leere Gassen und einige dunkle Hinterhöfe. Sofort kriecht mir eine kalte Gänsehaut den Rücken hinab. Seitdem ich weiß, dass sich an so einsam gelegenen Orten Noctu herumtreiben, versuche ich, dunkle Ecken zu meiden. Doch nun bin ich mitten drin. Am besten wäre es, ich würde sofort kehrtmachen und den Heimweg antreten, anstatt mich noch weiter von den belebten Straßen zu entfernen. Aber ich kann einfach nicht. Irgendetwas zieht mich voran: Ich bin zu neugierig. Ich will unbedingt herausfinden, was die drei vorhaben.

Und so setze ich meinen Weg fort und trete in einen verlassenen Hinterhof, wo sich schmutziges Wasser in dem aufgesprungenen Asphalt sammelt. Eine Feuerleiter hängt schief und rostig an dem Haus neben mir, Mülltonnen stehen herum und verbreiten ihren Gestank. Das ist das Einzige, das ich entdecken kann. Es ist niemand hier. Ich schaue zu Yoru, der plötzlich ganz aufgeregt wirkt, und in diesem Moment höre ich das Zischen von Zaubern. Ich drehe mich sofort um, aber da ist nichts. Gebrüll erklingt, weitere Kampfgeräusche, mein Herz donnert in meiner Brust. Der Lärm kommt ganz aus der Nähe. Ich eile zurück auf die Straße und muss nicht lange suchen, um den Ort zu entdecken. Nur zwei Häuser weiter ist noch ein Hinterhof, und von dort kommen die Lichter.

Ich schleiche mich zur Ecke und spähe hinein: Mehrere Noctu stehen in der Gasse und greifen Ayden, Ty und Vicky an. Im Gegensatz zu den Noctu, die ich bisher gesehen habe, ähneln diese nicht allesamt Tieren. Einige weisen menschliche Züge auf: verkrümmte Körper, kahle Schädel, aus denen schiefstehende, schwarze Augen herausstarren. Ihre Haut wirkt ledern, ihre Bewegungen sind abgehackt und dennoch ziemlich schnell.

Schwarze Zauber stoben umher, rasen wie eine undurchdringliche Wand auf die drei zu. Vickys schwarzer Rabe hat sich in einen riesigen Raubvogel verwandelt, dessen Schwingen von einem leuchtend blauen Schimmern umgeben sind. Er öffnet den Schnabel und eisblaue Wellen schießen daraus hervor, treffen zwei Noctu, die sofort von einem Eisblock umschlossen werden.

Ty lässt seine Schlange angreifen, die sich in den Asphalt gräbt, kurz darauf an anderer Stelle wieder hervorschießt und dabei riesige Steinbrocken aus dem Boden reißt. Gemeinsam zerschmettern sie die eingefrorenen Noctu, die in tausend Stücke zerspringen.

Aydens Wolf Snow hat sich ebenfalls verwandelt. Er ist von dunklem Rauch umhüllt, der Funken sprüht. Immer wieder züngeln kleine Flammen darin umher, die verraten, wie angespannt der Wolf ist. Seine roten Augen funkeln, als er eine Flammenkugel ausspeit und die vorderen Noctu von einer Wand aus Feuer erfasst werden. Einige von ihnen gehen zu Boden, andere versuchen, sich mit ihren Zaubern zu schützen, rufen eine schwarze Masse, die sich um sie legt und die Flammen ersticken.

Atemlos schaue ich dem Kampf zu und weiß nicht, was ich tun soll. Ein Teil von mir will ihnen helfen, ein anderer mahnt mich dringend, mich bedeckt zu halten und mich unter keinen Umständen zu zeigen.

Die Gruppe verändert langsam ihre Position und ich bemerke, dass ich in meinem Versteck nicht mehr allzu sicher bin. Also springe ich schnell hervor und schleiche zu einem großen Müllcontainer, hinter dem ich Schutz suche. Ich bin nun deutlich näher am Geschehen, aber wenigstens kann man mich hier nicht sehen.

Ayden rennt gemeinsam mit Snow auf zwei Noctu zu. Er ballt die Faust und Flammen züngeln zwischen seinen Fingern hervor. Während Snow einigen Attacken der Noctu ausweicht, läuft Ayden unbeirrt weiter zu seinem Gegner. Dieser hebt den Arm, der sich zu einer dunklen Rauchsäule verlängert und auf Ayden zuschießt, doch er taucht darunter hinweg, steht sogleich wieder auf den Beinen und rammt dem Noctu die brennende Faust in den Bauch. Als er die Hand zurückzieht, ist ein klaffendes Loch zu sehen, in dessen Mitte Flammen lodern, die sich immer weiter ausbreiten. Der Noctu öffnet den Mund zum Schrei und startet einen letzten verzweifelten Angriff. Aber Snow ist zur Stelle, wirft sich dazwischen und fängt die Attacke mit einem Feuerball ab. Der Noctu zerfließt langsam zu einer schwarzen, zähen Masse, die als dunkle Pfütze am Boden zurückbleibt.

Auch Ty und Vicky greifen erneut an, doch die restlichen Noctu setzen nun alles daran, ihre Feinde auszuschalten. Zauber schießen umher, krachen durch die Luft und lassen die Erde beben.

»Endlich kann man sich mal wieder richtig austoben«, freut sich Ty und reißt den Arm empor. Gleichzeitig erhebt sich eine riesige Erdsäule aus dem Boden und spießt einen Noctu auf. Der Anblick jagt mir einen Schauder über den Rücken und ich muss kurz die Augen schließen.

Als ich sie wieder öffne, rennt Ayden auf den nächsten Angreifer zu. Der wirft ihm eine dunkle, wabernde Kugel entgegen, die Ayden mit seiner Hand abfängt und beiseitestößt. Unkontrolliert rast sie durch die Luft – genau auf mich zu. Ich muss mich auf den Boden werfen und gebe einen entsetzten Schrei von mir. Das genügt bereits, um die Aufmerksamkeit aller auf mich zu ziehen. Die Noctu sehen in meine Richtung und beginnen zu knurren. Auch Ty, Ayden und Vicky entgeht meine Anwesenheit nicht.

»Oh, wen haben wir denn da?«, fragt Ty amüsiert. »Publikum. Da macht so ein Kampf doch gleich noch mehr Spaß.«

»Du hast sie doch nicht mehr alle«, gibt Vicky zurück und tötet einen weiteren Noctu, indem ihr Rabe eine riesige Welle auf ihn niedergehen lässt, ihn von den Füßen reißt und ihn mit einem Regen aus Eiskristallen in Stücke zerfetzt.

Von Ayden erhalte ich nur einen seiner alles vernichtenden Blicke, der mehr sagt, als tausend Worte es könnten. Ich bin hier nicht erwünscht, störe und mache ihn mit meiner Anwesenheit gerade ziemlich wütend.

Er schaltet mit einem Feuerball den letzten Noctu aus, der ebenfalls zu einer schwarzen Masse zerläuft. Während sich alle Blicke auf mich richten, nehmen die Schlüsselgeister ihre gewohnten Formen wieder an. In den einzelnen Gesichtern spiegeln sich ganz deutlich die unterschiedlichsten Gefühle. Ayden ist weiterhin verdammt sauer, Vicky offenbar vor allem genervt und Ty – tja, der kommt mit strahlender Miene auf mich zu und mustert mich, als sei ich ein interessantes Tier.

»Hey, du hast also auch einen Schlüsselgeist«, stellt er mit einem Blick auf Yoru fest. »Dann gehörst du also zu uns. Gut, sonst hätte ich dich jetzt leider töten müssen.« Ich reiße überrascht die Augen auf, doch Ty lacht nur amüsiert. Er wischt mit der Hand durch die Luft und klopft sich auf die Schenkel. »Das war ein Scherz. Ich hab nur Spaß gemacht. Denkst du wirklich, wir würden Menschen umbringen?«

Er streckt mir die Hand entgegen, um mir aufzuhelfen, denn noch immer liege ich auf dem Boden. »Du bist sicher noch Schülerin, oder? Dann musst du auf die Siena Hartford gehen.«

Ich reiche ihm meine Hand und lasse mir aufhelfen. »Ähm, ja«, sage ich und kann nicht verhindern, dass meine Augen zu Ayden wandern. Meine Güte, er sieht aus, als würde er gleich explodieren.

»Was machst du hier?«, will er wissen. »Musst du ständig dort auftauchen, wo du nichts verloren hast?!«

»Ich habe euch zufällig gesehen, und ihr habt den Eindruck gemacht, als hättet ihr irgendetwas vor. Mit dieser Vermutung hatte ich offensichtlich recht.«

»Du steckst wohl gerne deine Nase in Dinge, die dich nichts angehen«, stellt Vicky fest und mustert mich mit verschränkten Armen.

»Also, ich finde sie ganz süß«, sagt Ty und schenkt mir wieder diesen Blick, als sei ich ein niedliches Haustier, von dem er noch nicht genau weiß, ob es draußen in den Stall soll oder ein Katzenklo braucht.

»Was macht ihr hier eigentlich?«, will ich wissen. »Warum habt ihr die Noctu angelockt?« Denn ich bin mir sicher, dass diese Wesen nicht ohne Grund aufgetaucht sind.

»Das war eine Aktion, die vom Direktor und dem Rat angeordnet worden ist. Mehr brauchst du nicht zu wissen«, knurrt Ayden.

Ich hebe die Brauen, denn damit habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Das alles kann dann aber auch nur eines bedeuten. »Ihr zwei seid ebenfalls Hunter.«

Ty grinst. »Tylor Waydon, seit zwei Jahren Hunter. Bevor Ayden in unsere Reihen kam, war ich der Jüngste, der in diesen elitären Kreis aufgenommen worden ist.« Er nickt in Vickys Richtung. »Und das ist Victoria Smith. Sie ist schon etwas länger dabei.«

Ich nicke ihr zu, aber ihr Ausdruck ist immer noch finster, ganz zu schweigen von Aydens. Ich habe noch so viele Fragen, aber jetzt scheint wirklich nicht der richtige Zeitpunkt zu sein. »Ähm, okay, war nett, euch kennengelernt zu haben. Dann mache ich mich mal auf den Heimweg.«

Aber noch ehe ich auch nur drei Schritte gemacht habe, ist Ayden bei mir, packt mich am Arm und zieht mich mit sich.

»Hey, kennst du sie etwa? Ist sie eine Freundin von dir?«, ruft Ty uns nach.

»Ganz sicher nicht«, knurrt Ayden zurück. Seine Worte versetzen mir einen leichten Stich, obwohl ich natürlich weiß, dass sie nur allzu wahr sind. »Sie ist ein Mädchen, das einfach nicht hier sein sollte.«

»Ah!«, höre ich Ty noch rufen. »Sag bloß, das ist diese Teresa, die dein Paps trotz deiner Einschätzung an die Schule geholt hat. Ganz schön süß, muss ich sagen. An deiner Stelle hätte ich mir das noch mal überlegt.« Ich höre das Lächeln in seiner Stimme, aber Ayden gibt ihm keine Antwort.

Er zieht mich von den beiden fort und stößt mich unsanft gegen eine Hauswand. Sie ist feucht und unangenehm kalt. Aydens Blick schneidet sich in meinen. Er stemmt die Hände neben meinen Kopf, sodass ich ihm nicht entkommen kann. Seine Augen funkeln vor Wut, sie wirken wie ein Hurrikan, der gleich über mich hinwegfegen und alles mit sich reißen wird. Unaufhaltsam und gnadenlos.

»Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht? Hast du überhaupt deinen Kopf eingeschaltet? Weißt du eigentlich, in welche Gefahr du dich da begeben hast?« Er lässt mir gar nicht die Chance, zu antworten. »Nein, natürlich nicht. Du hast nur deine dumme Neugier befriedigen wollen und keinen Moment daran gedacht, was du da eigentlich machst. Und genau darum gehörst du nicht auf diese Schule. Entweder du ziehst die Gefahr an oder stürzt dich selbst blindlings hinein.«

»Ich dachte, du hättest deine Meinung inzwischen etwas revidiert. Immerhin wäre ich wohl ohne deine Hilfe schon gar nicht mehr an dieser Schule.«

»Ohne meine Hilfe wärst du längst tot.«

»Danke für dein unermüdliches Vertrauen«, erwidere ich leise.

Er ist mir so nahe, dass ich die Wärme seines Körpers spüren kann. Auch wenn ich es nicht möchte, es fühlt sich gut an, vertraut, verheißungsvoll. Dazu noch diese unglaublich grünen Augen, die solch eine Macht über mich haben – gerade bringen sie mal wieder meine komplette Gefühlswelt zum Einsturz. Und schüren meine Wut!

»Ich bin nicht so schwach, wie du denkst«, gifte ich zurück. »Mittlerweile habe ich viel dazugelernt. Und ich habe bewiesen, dass ich nicht so leicht zu töten bin.«

Ayden seufzt verächtlich. »Oh ja, und vor allem hast du klargestellt, dass du Gefahr magisch anziehst und für unsere Feinde ein leichtes Opfer bist. Muss ich dich noch mal an Noah erinnern? Ich kann noch immer nicht glauben, wie nah er dir war.«

Seine rechte Hand wandert näher an mein Gesicht heran. Mein Herz klopft, als wollte es gleich zerspringen.

»Wie kann man nur so dumm sein?!«

»Das hätte jedem passieren können«, presse ich zwischen den Lippen hervor. »Wenn dein Vater oder die Lehrer oder du mich besser informiert hättet … Nichts erklärt man mir!« Mir bleiben die Worte im Hals stecken, ich kann nicht mehr denken, sehe nur diese tiefgrünen Augen vor mir und diese unvergleichlichen Lippen, die zu zornigen Strichen verzogen sind. Sein Atem streicht über mein Gesicht und ich bekomme eine Gänsehaut.

»Komm uns einfach nicht mehr in die Quere«, sagt er und reißt sich von mir los. Er wendet sich ab und lässt mich stehen. Einen Moment sehe ich ihm hinterher, dann gebe ich meinen wackeligen Beinen nach und lasse mich auf den Boden sinken. In was bin ich da nur wieder hineingeraten?

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