Neue Leseprobe

Heute gibt es eine neue Textstelle. Etwas kürzer dieses Mal, aber dafür hat sie es in sich. Denn Teresas Gefühl, bewahreitet sich. Jemand ist hinter ihr her.

Das ist das Ende, geht es mir durch den Kopf. Das werde ich nicht überleben. Mir ist schlecht und ich kann mich nicht rühren. Vorsichtig bewege ich den Kopf, mein Sichtfeld schwankt, aber ich kann immerhin ein klein wenig erkennen. Irgendetwas sitzt neben mir. Sofort versuche ich, davon wegzurutschen, gebe einen entsetzten Laut von mir. Da spüre ich auch schon eine warme, weiche Schnauze, die mich anstupst. Ein so vertrautes Gefühl. »Yoru!« Mein kleiner Fuchs schmiegt sich an mich. Mit zitternden Händen fasse ich mir an den Kopf und spüre eine ziemlich große Beule und etwas Nasses. Ich gehe stark davon aus, dass es Blut ist. Vorsichtig schaue ich mich um, von dem Angreifer ist nichts mehr zu sehen. Allein diese Bewegung kostet mich so viel Kraft, dass ich mich erst mal wieder erschöpft auf den Boden zurücksinken lassen muss. Ich bleibe eine Weile dort liegen, auch wenn mir klar ist, dass ich so schnell wie möglich von hier fortmuss. Zuerst muss der Schwindel aufhören. Ich schließe die Augen und versuche, mich zu beruhigen. In meinem Kopf hämmert es. Es fühlt sich an, als wollte er zerspringen. So liege ich einfach nur ruhig da und atme gleichmäßig. Nach einer ganzen Weile starte ich einen erneuten Versuch. Dieses Mal geht es schon deutlich besser und es gelingt mir immerhin, mich aufzusetzen. In dieser neuen Position muss ich wieder verharren, bis ich genug Kraft habe, um mich weiter vorzuwagen. Ich ziehe mich an der Wand neben mir in die Höhe. Mir wird schwindelig, ich beiße die Zähne zusammen und warte. Yoru schaut mich besorgt an, aber allein die Tatsache, dass ich dies erkennen kann, erleichtert mich ungemein. Endlich erkenne ich auch, wo ich mich befinde. Der Angreifer scheint mich von der Straße in eine kleine Gasse gezerrt zu haben. Wenn Yoru nicht gekommen wäre, hätte ich hier wohl mein Leben verloren. Mir fallen wieder die glänzenden Zähne ein, mit denen er mich zerreißen wollte. Seit wann greifen Noctu mitten auf der Straße an?! Das alles macht keinen Sinn, aber ich verstehe im Augenblick ohnehin kaum etwas. Die Tasche mit den Bildern liegt wenige Meter von mir entfernt auf dem Boden. Ich greife sie und verstecke sie hinter ein paar Mülltonnen. Im Augenblick kann ich sie nicht tragen, ich werde sie also hierlassen und so bald wie möglich wiederholen müssen. Ich hoffe inständig, dass die Bilder hier sicher sind. Aber was habe ich schon für eine Wahl?Zur Schule ist es nicht mehr weit, darum komme ich wohl gar nicht auf die Idee, irgendwen mit dem Handy anzurufen. Meine Mutter würde ewig brauchen, bis sie hier ist. Schwerfällig schleppe ich mich zur Schule zurück. Immer wieder sehe ich mich ängstlich um, aber zum Glück scheint Yoru den Angreifer tatsächlich vertrieben zu haben. Es wundert mich etwas, denn Yoru kann sich ohne Odeon nicht verwandeln. Es ist ihm also gelungen, mich in seiner normalen Form zu beschützen. Hätte er so tatsächlich eine Chance gegen einen Noctu gehabt? Ich fasse mir erneut an den Kopf und fühle die Beule. Es wurde keine Magie benutzt, nur brachiale Gewalt. Auch das ist untypisch für die Noctu. Kann es etwa sein, dass ich einfach nur überfallen worden bin? Aber die blitzenden Zähne … Waren sie vielleicht in Wirklichkeit ein Messer? Doch weshalb der Angriff? Ich bin mir sicher, dass man mich töten wollte. Nur weshalb? Mein Portemonnaie ist noch da, und ich sehe sicher nicht so aus, als würde ich Reichtümer mit mir herumschleppen. Und da kommen mir die Bilder in den Sinn. Das Einzige, das ich bei mir hatte, das vielleicht von wert ist. Aber warum? Weshalb sollte jemand die Gemälde haben wollen? Das alles macht keinen Sinn, und das Denken fällt mir gerade ohnehin so schwer. Ich bin unendlich froh, als das Schulgebäude vor mir auftaucht. Erschöpft und vollkommen ausgelaugt, schleppe ich mich auf die Krankenstation.

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