19. August 2014
Leseprobe
Wie versprochen, gibt es heute eine kleine Leseprobe aus dem fĂŒnften Band. Ich habe direkt ein StĂŒck vom Anfang genommen, so dass ihr gleich einen Einblick bekommt, wie es mit Force weitergeht, was mit ihr geschehen ist und was sie alles durchstehen musste. Es war sehr eindrĂŒcklich diese Szenen zu schreiben, sich in Force hineinzuversetzen, wie es ihr bei all dem gehen muss ... und dennoch ist sie mittlerweile zu solch einer starken Person herangereift, dass selbst diese UmstĂ€nde sie nicht zerstören können. Es freut mich sehr, dass sie doch eine recht deutliche Entwicklung durchgemacht hat, reifer und erwachsener geworden ist. Sie und all die anderen werden mir auf jeden Fall sehr fehlen ... So und nun wĂŒnsche ich euch ganz viel SpaĂ mit diesem Ausschnitt:
Prolog
Das Gewölbe war finster, kalt und aus blankem, nacktem Stein. An den WĂ€nden waren mehrere Eisenketten befestigt, die bei jeder Bewegung laut klirrten. Die Kreaturen, die damit gefesselt waren, kauerten in der Dunkelheit. Ihre Gesichter waren blutunterlaufen; Nase, Mund und Augen schief. Tiefblaue Adern zeichneten sich deutlich unter ihrer Haut ab und pochten unruhig. Ihre Köpfe waren kahl, ihre Statur breit und krĂ€ftig; man sah ihnen an, dass sie fĂŒr den Kampf geschaffen waren. Stumm und beinahe reglos warteten sie. Worauf genau, wussten sie nicht, doch spĂŒrten sie ohnehin kaum etwas. Sie waren nicht gemacht worden, um zu fĂŒhlen oder zu denken. Ihre Aufgabe bestand lediglich darin, Befehlen zu gehorchen und ihrem inneren Drang, nach Vernichtung, Zerstörung, nachzugehen. Damit waren sie die perfekten Krieger.
Es hatte sehr lange gedauert, sie herzustellen. Doch letztendlich hatte es sich gelohnt. Nach dem ersten Testlauf in Morbus, der so klĂ€glich gescheitert und beinahe das ganze Vorhaben in Gefahr gebracht hatte, war man sich nach weiteren Versuchen nun sicher: Die Geschöpfe waren bereit fĂŒr die Schlacht. Sie gehorchten den Instruktionen, und auch ihre Körper waren mittlerweile soweit verbessert worden, dass sie nicht geschlagen werden konnten. Es war alles bereit.
Einige der Kreaturen begannen sich zu bewegen, und ihre Ketten rasselten in dem Kellergewölbe, das ansonsten still war. Ihre Augen starrten leer in die Dunkelheit; sie konnten fĂŒhlen, dass sich ihnen jemand nĂ€herte. Jemand, der ĂŒber magische Kraft verfĂŒgte. Sie wurden unruhig, Gedanken flossen zĂ€h durch ihren Verstand. Alles, wonach sie sich sehnten, war zu töten. Ihre Lippen verzogen sich, als sie knurrende Laute von sich gaben. Die Magie kam immer nĂ€her; sie wollten sie vernichten. DafĂŒr waren sie erschaffen worden. Je stĂ€rker sie diese spĂŒrten, desto gröĂer waren auch ihr Wunsch und ihr innerer Drang danach, sie auszulöschen. Ihre Muskeln spannten sich an, sie zerrten an den Ketten und brĂŒllten, als sich eine schwere EisentĂŒr öffnete und ein Mann hereintrat.
Mit kaltem LĂ€cheln musterte er die Geschöpfe. Nun war es so weit: Endlich sollten sie nach Incendium gebracht werden, damit sie diese Welt und alles Leben darin zerstören konnten, um die Welt und alles Leben darin zu zerstören. Die letzte Schlacht konnte beginnen âŠ
Dunkelheit
Wie viele Tage wohl mittlerweile vergangen waren? Ich wusste es nicht, sondern hatte vielmehr jegliches ZeitgefĂŒhl verloren. Mit der kalten Steinwand im RĂŒcken, eine raue Decke um mich gewickelt, kauerte ich auf dem Boden und wartete. Worauf? Darauf, dass die Stunden vergingen und man mich irgendwann abholen wĂŒrde.
Noch immer erschienen mir die Geschehnisse der vergangenen Tage wie ein schrecklicher Albtraum. StĂ€ndig sah ich das Bild des roten Himmels vor mir, wie dieser zersprang, und mittendrin Devils wunderschönes Gesicht. An diesem Tag hatte er mich ein allerletztes Mal in den Armen gehalten, mich gekĂŒsst und mir gesagt, wie sehr er mich liebte.
Ich schloss die Augen und durchlebte in meiner Erinnerung noch einmal, wie anschlieĂend auch er in tausend Scherben zerbrochen war, kaum dass sein Zauber die Welten voneinander getrennt hatte.
Nun gab es keine Möglichkeit mehr, ihn jemals wiederzusehen. Ich spĂŒrte, wie ich zu zittern begann, und zog die Decke fester um mich. An diesem Tag hatte ich alles verloren, und noch immer saĂ der Schock tief. Die Radrym hatten alles mit angesehen und wussten seitdem um meine GefĂŒhle fĂŒr Devil. Sofort hatte man mich festgenommen, auf die Beine gezogen und hierher nach Baras gebracht, in das schrecklichste GefĂ€ngnis Necares, wo nur die schlimmsten Verbrecher untergebracht waren. Zu ihnen zĂ€hlte man nun auch mich. Ich wusste, was mir drohte, wollte aber den Gedanken daran zugleich nicht zulassen. Doch vermutlich wĂ€re sogar der nahende Tod noch besser, als ĂŒber Monate und Jahre in diesem Loch langsam verenden zu mĂŒssen.
Dass ich Baras bald wĂŒrde verlassen können, war eher unwahrscheinlich. Es gab niemanden, der mir hĂ€tte helfen können. Und mein Vater hatte allzu deutlich gezeigt, dass er sich von mir distanzierte. Er wollte seine eigene Haut retten und hatte daher Abstand von mir genommen.
Immer wenn ich an ihn dachte, sah ich das Entsetzen in seinen Augen, als man mich bei meiner Verhaftung an ihm vorbeigefĂŒhrt hatte. Seitdem hatte ich ihn nicht mehr gesehen; er hatte mich nicht ein einziges Mal im GefĂ€ngnis besucht. Alles, was ich ĂŒber die VorgĂ€nge drauĂen und ĂŒber sein Handeln wusste, hatte ich von meinen GefĂ€ngniswĂ€rtern erfahren, denen es anscheinend Freude bereitete, mir immer wieder aufs Neue meine ausweglose Lage vor Augen zu fĂŒhren. Ja, so war es. Ausweglos. Devil wĂŒrde nicht zu mir kommen können ⊠niemals mehr âŠ
Die WĂ€rter hatten mir einzureden versucht, er wĂ€re tot ⊠dass es niemand ĂŒberleben konnte, so viel magische Kraft anzuwenden, um die Welten voneinander zu spalten, ohne dabei zu sterben. Die Scherben, in die er zersplittert war, lieĂen Ăhnliches vermuten, doch ich wusste und spĂŒrte, dass er weiterhin am Leben war. Dieser Gedanke allein â der Glaube daran, dass er in Freiheit war â machte meine Situation etwas ertrĂ€glicher.
Gleich nach meiner Ankunft in Baras hatte man mir all meine persönlichen GegenstĂ€nde abgenommen. Lediglich die Kleidung, die ich auch jetzt noch trug, hatte ich anbehalten dĂŒrfen. Alles andere war mir entrissen worden, darunter auch das Armband mit der Perle, das mir stets so viel Sicherheit und Vertrauen geschenkt hatte. Anhand des Armbands hatte ich immer erkennen können, wie es Devil ging, und hatte mich ihm auf diese Weise nahe gefĂŒhlt. Aber wie hatte ich nur so dumm sein können? Ich hatte die MĂ€nner angefleht, mir das Band zu lassen, doch sie hatten mich nur verhöhnt und verspottet. Mittlerweile wusste ich, dass ich mir das Betteln hĂ€tte sparen können. Am besten sprach man kein einziges Wort mit ihnen und ging auf ihre Provokationen gar nicht erst ein. Am Ende badete man jeglichen Widerstand doch selbst aus, bekam weniger zu essen oder nichts zu trinken âŠ
Meine Finger glitten an meinem Hals entlang und fanden die Kette mit dem Fiores-Kristall. Wenigstens ihn hatten sie nicht gefunden. Er gab mir Kraft und das GefĂŒhl, mit Devil weiterhin auf besondere Weise verbunden zu sein. Was mit dem Stein wohl geschah, wenn sie mich töteten? Ich versuchte den Gedanken zu verjagen. Noch war es nicht so weit, und ich wĂŒrde dafĂŒr kĂ€mpfen, am Leben zu bleiben. Allerdings standen meine Chancen ziemlich schlecht âŠ
Diese Gedanken gingen mir ununterbrochen durch den Kopf. Wie hĂ€tte es auch anders sein können? Ich hatte alles verloren, wĂŒrde Devil, den ich so sehr liebte, niemals wiedersehen und dieses GefĂ€ngnis wahrscheinlich nie mehr lebendig verlassen. Und selbst wenn ⊠In Necare gab es nach all dem keinen Platz mehr fĂŒr mich. Ich war von den Oberen dieser Welt verhaftet und gedemĂŒtigt und von meinem eigenen Vater im Stich gelassen worden ⊠Ich schluchzte leise auf.
Meine Mutter machte sich bestimmt unglaubliche Sorgen, immerhin hatte sie nun schon seit lÀngerem nichts mehr von mir gehört. Sie wusste nicht, was alles geschehen war, und hatte keine Ahnung davon, dass die Welten und damit auch wir getrennt worden waren.
Ich legte meinen Kopf auf die Knie und fĂŒhlte diese schwarze Leere in mir, die mich zu zerreiĂen drohte. Plötzlich durchzuckte ein Schrei die Stille; ich schreckte auf und starrte in die mich umgebende Finsternis.
Wieder vernahm ich das BrĂŒllen, das nun in ein verzweifeltes Keuchen und Schluchzen ĂŒberging. Es kam aus einer der Zelle rechts von mir. . In den letzten Tagen hatte ich immer wieder die anderen Gefangenen gehört. Ich wusste nicht, wie lange ein jeder von ihnen bereits hier war, doch schien keiner mehr bei Verstand zu sein. Wie lange es wohl dauerte, bis es mir ebenso erging?
âSei still! Sei endlich still!â, brĂŒllte ein anderer Insasse.
Die Schreie gingen nun in ein Jaulen ĂŒber, das kaum mehr menschlich klang.
âHalt die Klappe, sonst kommen sie uns holen. Einen nach dem anderenâ, fuhr der Mann fort und die Angst, die in seiner Stimme mitschwang, war nicht zu ĂŒberhören. âWir werden von hier fortgebracht und kommen nie mehr zurĂŒck. Zumindest nicht mehr als die, die wir einmal waren âŠâ
Mein Herz hĂ€mmerte bei diesen Worten. âWas meinst du damit?â, rief ich in die Finsternis. Das alles erinnerte mich sehr an die Visionen, die ich vor einiger Zeit gehabt hatte. Damals hatte ich mich hier in Baras stehen sehen und beobachtet, wie man einzelne Gefangene aus den VerlieĂen schleppte und fortgebrachte. Noch immer hallten die Worte in mir nach, die mir eine Stimme dabei zugeraunt hatte:
âSie holen uns. Wir, die stumm, ohne Sinn und Verstand sind ⊠die Gebrochenen, die Verlorenen âŠÂ Einer nach dem anderen wird von ihnen geholt und verschwindet. Das Grauen hat lĂ€ngst begonnen und wir sind ein Teil davon. Töte uns! Bitte töte uns!â
Der Mann lachte schrill. âGanz zu Beginn sind einige von uns noch zurĂŒckgekommen, aber wie ⊠So will ich nicht enden. Nicht so!â Er begann zu schluchzen, wurde immer lauter. âIch bin kein Engel und war auch nie einer, doch ich will hierbleiben. Lasst mich in Ruhe, lasst mir meinen Kopf. Nehmt, was ihr wollt, nur schneidet nicht in mir herum und reiĂt nicht alles aus mir heraus. In mir ist kein Monster, auch wenn ihr das vielleicht alle glauben mögt. Ich bin kein Monster âŠâ
FĂŒr mich stand fest, dass der Insasse nicht mehr bei klarem Verstand war. Ich wurde aus seinen Worten jedenfalls nicht schlau. Was hatte er aus Irrsinn gesagt, was entsprach der Wahrheit? Und was wollte er ĂŒberhaupt mit all dem zum Ausdruck bringen? Ich wusste es nicht. Allerdings hatte er offensichtlich vor irgendetwas Angst. Und seine Worte waren denen aus meiner Vision zudem auffĂ€llig Ă€hnlich
Seit Forceâ Festnahme war ĂŒber eine Woche vergangen. Thunder, Shadow, Sky und Saphir saĂen nachdenklich im Zimmer der MĂ€dchen. Noch immer waren sie von den vergangenen Ereignissen geschockt und konnten nicht begreifen, dass ihre Freundin nun in Baras gefangen gehalten wurde.
âUnd wenn wir doch noch mal mit ihrem Vater sprechen? Vielleicht kann er dafĂŒr sorgen, dass wir sie wenigstens kurz besuchen dĂŒrfen?â, schlug Sky vor.
âVergiss esâ, antwortete Thunder. Sie saĂ mit ernster Miene auf ihrem Bett. âWir haben schon mehrfach versucht, mit ihm zu reden, doch dieser Diener Walther hat uns unmissverstĂ€ndlich klargemacht, dass Ventus uns nicht sehen möchte. Er wolle mit nichts und niemandem in Kontakt stehen, der etwas mit seiner Tochter zu tun hat. Du hĂ€ttest mal hören sollen, wie abfĂ€llig selbst dieser Angestellte das Wort Tochter ausgesprochen hat.â
âIch kann das alles noch immer nicht begreifenâ, wandte Saphir ein und schĂŒttelte fassungslos den Kopf. âIrgendwas mĂŒssen wir uns jedenfalls einfallen lassen. Nach allem, was die Medien so berichten, scheint das Urteil ja bereits festzustehen.â
Jedem der vier war klar, was er damit meinte. Sie alle hatten die Artikel in den Tageszeitungen gelesen und die Berichte im Fernsehen gesehen. Force galt aufgrund ihrer Verbindung zu Devil als eine der schlimmsten Verbrecherinnen Necares. Ihr drohte die Todesstrafe, und ihren Freunden war bewusst, dass diese Strafe unumgÀnglich war.
Ihr aller Leben hatte sich seit diesem Tag stark verĂ€ndert. Sie alle waren bereits einige Male von den Radrym verhört worden und wĂŒrden solche Befragungen sicher auch in Zukunft noch öfter ĂŒber sich ergehen lassen mĂŒssen. In der Schule lieĂen die Lehrer und MitschĂŒler sie weitestgehend in Ruhe, doch die Blicke, die sie ihnen zuwarfen, waren misstrauisch und voller Argwohn. Als herausgekommen war, dass sich der Occasus erneut unter falschem Namen an der Roldenburg aufgehalten hatte, hatten die Radrym erneut eine Untersuchung eingeleitet. Zudem patrouillierten nun aus SicherheitsgrĂŒnden stĂ€ndig einige Mitglieder auf dem SchulgelĂ€nde.
âWenn wir sie wenigstens kurz sehen und ihr etwas Mut zusprechen könnten. Sie soll wissen, dass sie nicht völlig allein ist und dass wir weiterhin hinter ihr stehenâ, wandte Shadow ein.
âDieser Umstand wird sie letztendlich aber auch nicht rettenâ, sagte Sky leise. Er wirkte traurig und sorgenvoll bei diesem Gedanken. âWir mĂŒssen sie da rausholen und fortbringen.â
âAber dann wird Force ihr restliches Leben auf der Flucht seinâ, gab Saphir zu Bedenken.
âDas ist immer noch besser, als gar nicht mehr am Leben zu seinâ, erwiderte Sky.
Ein leises Klopfen unterbrach die Unterhaltung. Sie alle blickten zur ZimmertĂŒr, als sich diese öffnete und eine Gestalt hereingeschlĂŒpft kam.
âGibt es was Neues?â, wollte Archon wissen, setzte sich neben seine Schwester und blickte fragend in die Runde.
Thunder schĂŒttelte verneinend den Kopf. âCĂ©leste hat heute ihre Befragung bei den Radrym. Vielleicht kann sie bei dieser Gelegenheit ja noch etwas herausfinden.â
âWir anderen sind in den nĂ€chsten Tagen an der Reiheâ, fuhr Shadow fort. âMöglicherweise erfĂ€hrt dabei einer von uns, wie es Force geht oder wo genau sie in Baras gefangen gehalten wird.â
âWie war es bei dir?â, wandte sich Sky an Archon.
Der schĂŒttelte langsam den Kopf. âMeine Kontakte haben mir nur bestĂ€tigt, dass sich Force momentan in Baras aufhĂ€lt. Wo genau oder wie es ihr geht, darĂŒber wissen oder sagen sie zumindest nichts.â Man sah ihm an, dass die letzten Tage nicht spurlos an ihm vorĂŒbergegangen waren. Er war blass, wirkte mĂŒde und abgespannt. Doch auch die anderen sahen allesamt mitgenommen aus. Es fiel ihnen schwer, mit der momentanen Situation umzugehen. Sie wollten etwas unternehmen, um Force zu helfen, doch ihnen waren die HĂ€nde gebunden.
âWir mĂŒssen auf jeden Fall weiterhin nach einem Weg suchen, um sie zu befreien. Irgendetwas wird uns doch wohl einfallen. Bei unseren Befragungen durch die Radrym, mĂŒssen wir Augen und Ohren offenhaltenâ, erklĂ€rte Archon. âVielleicht gelingt es uns ja, ihnen irgendwelche Informationen zu entlocken. Und sei es nur, dass wir herausbekommen, wie es Force im Moment geht. Zeitgleich sollten wir nach weiteren Möglichkeiten suchen. Ich werde noch mal einige Kontakte befragen; vielleicht kennt doch irgendwer eine Schwachstelle in Baras oder aber einen WĂ€rter, den man bestechen könnte. Auf jeden Fall mĂŒssen wir uns beeilen. Keiner weiĂ, wie viel Zeit uns bleibt.â
âIch hĂ€tte nie gedacht, dass ich die Radrym einmal hassen wĂŒrdeâ, sagte Thunder mit leiser Stimme. âFĂŒr mich waren sie stets ein Vorbild und die Venari meine Idole. Ich hatte eine von ihnen sein wollen.â
Sky erhob sich von seinem Stuhl und setzte sich neben sie. Er nahm sie in den Arm, und wÀhrend er ihr beruhigend durchs Haar strich, lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter.
âIch kann verstehen, wie enttĂ€uscht du bist. Mir erging es damals genauso, als sie Devil gejagt haben. Sie haben sich nichts anderes als seinen Tod gewĂŒnscht und Saphir und mich stundenlang ĂŒber ihn verhört. Da wir nun auf der anderen Seite stehen, können wir endlich erkennen, wie skrupellos und unbarmherzig sie sind.â
âForce hat nie etwas Unrechtes getanâ, fuhr Thunder fort und wischte sich eine TrĂ€ne aus dem Auge. âIhr einziges Verbrechen besteht darin, sich in einen DĂ€mon verliebt zu haben. Dabei hat er die Welten nur getrennt und nicht, wie befĂŒrchtet, vernichtet. Und trotzdem tun weiterhin alle so, als ginge enorme Gefahr von ihm aus; als kĂ€me er demnĂ€chst zurĂŒck, um uns doch noch alle zu vernichten.â
âDie Radrym nutzen die Angst und Unsicherheit der Leute. Sie schĂŒren sie sogar noch mit ihren Hetzreden und verstĂ€rken das Feindbild. Auf diese Art vergröĂern sie ihre Macht und ihren Einflussâ, brachte Shadow mit finsterem Blick ein.
âSie sind Abschaum! Das Allerletzte!â, stieĂ Thunder wĂŒtend aus. Zorn blitzte in ihren Augen auf, als sie sich von Sky losmachte sich. âIch hasse diese Kerle. Und allen voran Forceâ Vater. Wie kann er sie nur einfach so fallen und im Stich lassen?â
âDas verstehe ich auch nicht â, gab Archon zu. âAber es hilft nichts, sich darĂŒber Gedanken zu machen. Wir sollten lieber ĂŒberlegen, wie wir sie aus diesem GefĂ€ngnis herausbekommen. Das ist das Einzige, was jetzt zĂ€hlt.â
Die anderen nickten, und Entschlossenheit legte sich in ihre Gesichter.
âWir werden nicht zulassen, dass diese Mistkerle Force etwas antunâ, erklĂ€rte Sky mit fester Stimme.
Dumpfe, schwere Schritte kamen den Korridor entlang. Wieder einmal begann mein Herz zu hĂ€mmern. Jedes Mal aufs Neue hatte ich Angst, man kĂ€me mich holen, um mich nun doch zu töten. Gleichzeitig wollte ich nichts lieber, als endlich hier rauszukommen! Ich wollte endlich wieder das Tageslicht sehen, den Gestank meiner Zelle hinter mir lassen âŠ
Als die kleine Klappe, die unten in der TĂŒr angebracht war, geöffnet wurde, drang das helle Licht einer Fackel zu mir in die Zelle hindurch.
Ich war selbst den mattesten Lichtschein nicht mehr gewohnt. Es schmerzte so sehr in den Augen, dass ich sie zusammenkneifen musste.
Eine Hand schob einen Teller mit Essen und einen Krug Wasser zu mir herein und verschwand danach gleich wieder. Dann wurde die Luke geschlossen, die Schritte entfernten sich von meiner Zelle und traten zur nÀchsten. Ich hörte, wie die anderen Gefangenen wirr vor sich hinredeten, manche schrien oder flehten den WÀrter an, sie endlich zu töten.
Jeden Tag lief die Essensverteilung auf diese Art ab, doch man gewöhnte sich an das GebrĂŒll der anderen, an ihr wildes Gebrabbel. Es war traurig, dass man sich an so etwas tatsĂ€chlich gewöhnen konnte âŠ
Ich robbte ĂŒber den Boden und tastete mich in der Dunkelheit bis zu dem Krug und dem Teller vor. In den ersten Tagen hatte ich das Zeug kaum herunterbekommen; es roch entsetzlich und schmeckte auch nicht besser, sodass ich beinahe froh darĂŒber war, nicht genau erkennen zu können, was man mir da zu essen gab.
Endlich berĂŒhrten meine Finger eine MetallschĂŒssel, die ich sofort an mich heranzog. Nur wenige Zentimeter daneben stand der tönerne Krug, den ich sofort entkorkte und einige Schlucke daraus trank. Ich schĂ€tzte, dass der Krug etwa einen Liter fasste. Mehr gab man uns nicht pro Tag, weshalb ich mir die FlĂŒssigkeit stets einteilte.
Ich kroch wieder zurĂŒck, lehnte mich an die Wand und begann, die dickliche Pampe zu essen, wobei ich mir einzureden versuchte, es sei Kartoffelbrei. Das andere zĂ€he Zeug Fleisch. Es hatte einen miefigen Nachgeschmack. Erneut hoffte ich, dass ich von einer Lebensmittelvergiftung verschont blieb.
Mittlerweile hatte ich mitbekommen, dass man Verletzte oder Kranke einfach in ihren Zellen liegen lieĂ. Zwischendurch hörte man sie im Fieberwahn schreien oder vor Schmerzen brĂŒllen, doch es kam nie jemand, um ihr Leiden zu lindern.
Als man uns das letzte Mal Essen gebracht hatte, war den WĂ€rtern aufgefallen, dass einer der Gefangenen tot in seiner Zelle lag.
Da ich nie das Tageslicht sah und keine Uhr hatte, war mir mittlerweile jegliches ZeitgefĂŒhl abhandengekommen.
Den GesprĂ€chen der WĂ€rter hatte ich entnommen, dass der HĂ€ftling dem Infekt, der ihn befallen hatte, letztendlich erlegen war. Das alles hatten sie ohne jegliches MitgefĂŒhl festgestellt und die Leiche wenig spĂ€ter weggeschleppt.
Ich kratzte die letzten Reste meines Essens zusammen und hoffte, dass ich nicht ebenso wie besagter Gefangener enden wĂŒrde.
Die Schreie waren inzwischen weniger geworden, die meisten Insassen hatten sich vermutlich ihrer Mahlzeit zugewandt. Nur einer der MĂ€nner brĂŒllte noch immer: âSie wollen mich vergiften! In dem Zeug ist Gift drin. Sie haben vor, mich zu schwĂ€chen, damit sie mich von hier wegschleppen können. Ich will nicht, dass mir dasselbe wie Marlow passiert.â Er kreischte weiter in den hellsten Tönen.
Langsam stand ich auf und ging auf meine ZellentĂŒr zu. Etwa in Kopfhöhe befand sich ein kleines eisernes Gitter, durch das man in den Flur hinausschauen konnte. Ich sah den dunklen Gang entlang und konnte in dem fahlen Licht die TĂŒren erkennen, hinter denen andere Gefangene saĂen.
âWer ist Marlow?â, fragte ich leise. âWas ist mit ihm geschehen?â
Doch der Insasse antwortete mir nicht, sondern sprach ununterbrochen in seinem Wahn weiter: âSie hĂ€tten ihn besser getötet, das alles hat er nicht verdient.â
âGib es auf, MĂ€dchenâ, rief mir eine zweite MĂ€nnerstimme zu. âLamark hat schon vor langer Zeit den Verstand verloren. Aber wer von uns hat das nicht?â Er lachte laut auf; das GerĂ€usch wurde von den kalten WĂ€nden zurĂŒckgeworfen und hallte durch den Korridor.
âWer bist du?â, wollte ich wissen.
âMein Name ist Avis. Und du, MĂ€dchen? Wie heiĂt du und was hat dich an diesen gottverfluchten Ort gebracht?â Seine Stimme hatte einen tiefen, angenehmen Klang, doch er hörte sich nicht wie ein alter Mann an. Ich schĂ€tzte ihn vielmehr auf um die vierzig.
âForceâ, antwortete ich in die Dunkelheit. âIch heiĂe Force. Ich hatte ⊠Kontakt zu einigen DĂ€monenâ, erklĂ€rte ich ausweichend.
âOh, noch so jung und schon eine so aussichtslose Zukunft .â
Mein Magen krampfte sich bei diesen Worten zusammen. Ich wusste selbst, wie aussichtslos meine Situation war, doch genau das von einem Fremden noch mal bestÀtigt zu bekommen versetzte mit einen weiteren Stich.
âUnd warum bist du hier?â, fragte ich.
Er kicherte leise. âWarum? Ja, warum? Es ist schon lange her und kommt mir vor wie aus einem fremden Leben. Doch ich bin hier, also muss ich es wirklich gewesen sein, der all das getan hat, nicht wahr? Ich war ein Hehler, habe dĂ€monische GegenstĂ€nde weiter-verkauft. Du siehst, es war nicht legal, was ich getan habe, aber es war wiederum nichts, womit ich all das hier verdient hĂ€tte.â
âWie lange bist du schon hier, Avis?â
Er schwieg fĂŒr einen Moment, dachte offensichtlich nach. âEs mĂŒssen ĂŒber zehn Jahre sein, aber genau kann ich es dir nicht sagen. Zeit ist etwas, das hier drinnen irgendwann keine Rolle mehr spielt. Hier gibt es keine Tage, Wochen oder Jahre, sondern nur die Finsternis, die einen stĂ€ndig umgibt.â
Zehn Jahre ⊠Ich war nun etwas ĂŒber eine Woche hier, vielleicht neun oder zehn Tage. Und schon jetzt konnte ich das alles kaum mehr ertragen. âSo lange wĂŒrde ich das nie durchstehenâ, hörte ich mich sagen.
Avis lachte glucksend. âMĂ€dchen, du hast gar keine andere Wahl. Entweder du klammerst dich an dein Leben, oder du hoffst, dass du frĂŒher oder spĂ€ter doch einer Krankheit erliegst und schnell dahinsiechst. Glaub mir, mit diesen Gedanken quĂ€len wir uns alle, aber irgendwann musst du eine Entscheidung treffen. Willst du kĂ€mpfen oder sterben?â
âIch könnte das nichtâ, erwiderte ich. Allein die Vorstellung, diese Ewigkeit in der Finsternis verbringen zu mĂŒssen. Ganz allein, abgeschieden und ohne jemals wieder die Sonne oder meine Freunde sehen zu dĂŒrfen oder den Wind auf meiner Haut zu fĂŒhlen.
Der Mann seufzte bei meinen Worten, und seine Stimme wurde ernst. âBei dir wird es sicher schnell gehen. Traitorn wie du bleiben hier nicht lange.â
Eine andere Stimme mischte sich ein. âJa, sie werden dich töten. Ganz schnell. Wirst hier weggebracht und kommst nie wieder.â Der Kerl kicherte, und mir schnĂŒrte sich ein Eisenring aus nackter Furcht um den Brustkorb.
âHör auf mit dem dummen GeschwĂ€tzâ, mischte sich Avis ein. âMach der Kleinen nicht noch zusĂ€tzlich Angst, es ist ohnehin schon alles schlimm genug fĂŒr sie.â Nun wandte er sich wieder an mich. âHör zu, MĂ€dchen. Man wird dich sicher zunĂ€chst ein paar Mal befragen, dafĂŒr holen die WĂ€rter dich ab. Aber erst wenn sie dich in die KellerrĂ€ume bringen, wirst du nicht mehr in deine Zelle zurĂŒckkehren.â
Sie töteten die Leute also gleich hier im GefÀngnis?
âBlödsinn!â, mischte sich der andere wieder ein. âHoffe bloĂ, dass du nie zu den Radrym gebracht wirst. Stirb lieber gleich in diesen Mauern. Alles ist besser, als zu diesen Kerlen gezerrt zu werden. Marlow, Trevor, Logren und all die anderen sind nie wieder zurĂŒckgekehrt. Wir alle kennen die Geschichten und wissen, was mit ihnen geschehen ist. Und was mit uns frĂŒher oder spĂ€ter passieren wird. Oh, ich hoffe so sehr, dass sie mich vorher töten. Bitte tötet mich!â Jetzt weinte und wimmerte der Mann.
âWovon redest du da? Was meinst du damit?â
âFrag lieber nicht, Kleineâ, antwortete Avis. âEs gibt schon genug, vor dem du Angst hast und um das du dich sorgen solltest. Das musst du nicht auch noch wissen. Nein, nicht das. Ein kleines PĂŒppchen wie du sollte davon verschont bleiben.â
âJetzt sag schon, wovon du sprichst. Ich kann damit umgehen. Nun red endlich!â, forderte ich ihn auf. âIch bin ebenso eine Gefangene wie ihr. Ich sollte wissen, was um mich herum geschieht und was hier vor sich geht.â
Doch Avis blieb still und sprach kein weiteres Wort mehr.

Grandios .. ich freue mich auf das Buch, mein Kindl kann „Necare 5“ schon im Schlaf allein eintippen. Die Leseprobe – so toll sie ist und so sehnsĂŒchtig sie erwartet war – schĂŒrt die Ungeduld noch mehr, aber auch die Vorfreude!!
Bin sehr gespannt wie die Romanze & natĂŒrlich der Rest der Geschichte um die Welten ausgeht, die Fantasie spinnt schon vor.
Danke fĂŒr die spannenden Lesestunden, die vergangen sind und auch folgen ..
Alles Gute
Vielen, vielen Dank fĂŒr deine lieben Worte. Es freut mich wirklich sehr, dass dir die Leseprobe und die bisherigen BĂ€nde so gut gefallen haben. Ich hoffe, dass das Ende ein gelungener Abschluss wird, der euch begeistern kann. đ Momentan arbeite ich schon viel an dem neuen Buch, das danach erscheinen wird. Aber dazu gibt es demnĂ€chst mehr đ
Ich freu mich auf die Fortsetzung!
Danke!! Das freut mich sehr. Bin gespannt, wie sie dir gefallen wird. đ
mehr, mehr, mehr….
das ist ja nicht zum Aushalten…
Leseproben sind so gemein, dadurch werde ich nur noch ungeduldiger, aber wie immer kann ich es nicht sein lassen. Super Einstieg!!! Wenn es doch nur schon Oktober wĂ€re … aber es wird doch sicherlich noch eine Leseprobe geben mit der ich mich „foltern“ kann oder? đ
Liebe GrĂŒĂe
Es wird auf jeden Fall noch eine kleine Leseprobe geben und auch der Trailer wird noch folgen. Es gibt also noch ein paar Dinge, die die Wartezeit versĂŒĂen oder vielleicht auch erschweren. xD Ich kenn das jedenfalls selbst nur zu gut, ich hasse warten. xD
Sehr geil. Ich freue mich schon riesig auf den fĂŒnften Teil von Necare. Ich bin wirklich fasziniert von den BĂŒchern, obwohl ich, glaub ich, wohl nicht ganz in das Alter passe, fĂŒr die die Serie geschrieben ist. Ich habe beim BĂŒchertreff.de Teil drei und vier bewertet. Vielleicht gefallen dir die Bewertungen ja. LG Birgit
Vielen, vielen Dank fĂŒr die tollen Bewertungen! Sie gefallen mir nicht nur, ich bin wirklich begeistert davon und freue mich sehr, dass dir die BĂŒcher so gut gefallen!! Herzlichen Dank fĂŒr deine lieben Worte und die Rezensionen. <3
Ohhhh ! Ich freue mich schon.
Bin gespannt wie’s weiter geht. Konnte es nicht glauben, dass Devil Force allein ihrem Schicksal ĂŒberlĂ€sst. Er kann doch nicht glauben, dass Force in ihr altes Leben zurĂŒckkehren kann ?! Wie bl… naiv muss man da sein ? Somit kann ich es kaum erwarten die Fortsetzung zu lesen. Bedanke mich schon im voraus fĂŒr’s LesevergnĂŒgen.
Ja, ich hoffe der Verlauf der Geschichte wird dir gefallen und dass sich alle eventuellen Ungereimtheiten noch lösen đ Ich danke dir wirklich fĂŒr das groĂe Lob! Es freut mich riesig, dass dich die bisherigen BĂ€nde begeistern konnten.
Hallo Juliane !
Bis zum 1.Oktober ist nicht mehr lang. Ich hab mir Band 5 auch schon vorbestellt. Hast du eine zweite Leseprobe geplant? Deine Fans wĂŒrden glatt vom Stuhl kippen, wenn das noch drin wĂ€re (incl. mir). đ
Oh, das freut mich!! *-* Ich hoffe, der Band wird dir gefallen! Bin schon ganz gespannt. Jetzt dauert es ja wirklich nicht mehr lange đ Ich denke schon, dass es noch mit einer kleinen Leseprobe klappen wird. Wahrscheinlich nĂ€chste Woche. đ